Heute Morgen läuft die Kirche zu neuer
Höchstleistung auf. Die Glocken läuten um 04:40 Uhr..Na, wenn das
mal keine christliche Zeit ist ;-(..Übrigens läuten um diese Zeit
nicht nur die Glocken- nein, man hört bereits Gesang aus der
Kirche..Keine Ahnung, wer Lust hat, um diese Zeit zur Kirche singen
zu gehen??
Na ja, gegen 5:20 Uhr muss ich sowieso
aufstehen. Habe heute Morgen den „frühen Flug“ mit Chatham
Pacific um 08:15 Uhr. Und wie alles auf Tonga, geht es hier sehr
gemächlich zu. Ich muss erst eine Stunde vor Abflug zum Einchecken
dort sein. Was mich im Nachhinein auch nicht wundert- denn: es gibt
weder Personen- noch Gepäckkontrollen. Das einzige was geprüft
wird, ist das Gewicht. Aber auch damit nehmen sie es nicht allzu
genau.
Nachdem also quasi jedes Gepäckstück
einfach nur ein rosanes Bändchen bekommen hat, geht es in den
Warteraum. Und das war´s! Ich kann´s ja fast nicht glauben..Kann
mich nicht erinnern, dass ich jemals auf so einem Flughafen gewesen
wäre. So muss es vielleicht zu Beginn der Luftfahrt gewesen sein
:-)..Konnte dann auch schön beobachten, wie meine Tasche durch die
vordere Tür ins Flugzeug gehieft wurde..Alles natürlich von Hand zu
Hand. Hatte übrigens auch eine 1,5 Liter Flasche Wasser
dabei..Andererseits, wenn es hier ein Gefängnis ohne Zaun gibt und
wo die Gefangenen am Wochenende munter ein und aus spazieren können
(das Argument: sie können ja nirgendwo hin??!!), wozu sollte man
dann Kontrollen am Flughafen machen?? Also- nicht wundern :-).
Meine Uhr hat nun inzwischen
vollständig den Betrieb eingestellt, aber an der Uhr im Flughafen
kann ich dann erkennen, dass es kurz nach 9 Uhr ist.
Zunächst geht es erst Mal direkt zu
Winnies Guesthouse, wo ich meine Sachen ablade. Da es s o früh am
Tag ist, will ich dann doch noch etwas von der Insel sehen. Ich
schnappe mir meinen Tonga Visitor Guide und mache mich auf Richtung
Nuku´alofa. Vorher hatte ich schon diverse Preise für Inseltouren
gehört, die eigentlich für mein Budget zu teuer sind...
Als ich nach ca. 30 Minuten am Anfang
der Stadt bei den Königsgräbern ankomme, steht dort gerade ein
Tourbus mit zwei Neuseeländern. Ich quatsche den Fahrer an, ob ich
hier richtig bin und das die Königsgräber sind und ob sie hier
gerade eine Tour machen und ob er vielleicht eine Tour für morgen
hat..Denn bei mehreren Leuten, wird’s ja bekanntlich
günstiger..Nachdem er mir den Preis nennt und ich abwinke, mischen
sich die beiden Neuseeländer ein: dies sei ja schließlich der erste
Stopp ihrer Tour und wenn ich wollte, könnte ich mich
anschließen..Nachdem ich mich somit quasi für den Last-minute-Preis
erkundige und der dann etwa 40 % weniger beträgt, willige ich
spontan ein und steige in den Bus. Von hier geht es weiter zum
Königspalast- von dem man allerdings nicht so viel sieht, da er sich
hinter einem Elektrozaun verbirgt- was ich allerdings bestätigen
kann, ist der tolle Blick auf´s Meer-, um von dort dann zu einer
Allee mit Bäumen zu fahren, wo eine Menge „Flying Foxes“
oder zu deutsch auch Brillenflughunde schlafend im Baum hängen.
Nächster Anlaufpunkt sind die Blow
Holes, welche sich ca. 15 km von der Stadt, entlang der Küstenlinie
von Houma erstrecken. Zum Teil wird das Wasser hier 18 m hoch in die
Luft katapultiert. Ein wirklich schön anzusehendes Schauspiel.
Weiter geht die muntere Fahrt nun zu
dem Platz, an dem Kapitän Cook Tonga erstmals betreten hat. Dort
wurde ein Monument im März 1970 errichtet, als Queen Elizabeth II
und
Prinzessin Anne die historische Stätte
besuchten. Von hier führt uns der Weg weiter zu weiteren
Königsgräbern. Die Gräber sind alle erhöht angebracht (ein
viereckiger Wall aus Steinen umgibt sie und das Grab sitzt auf der
Spitze), da Tongatapu sehr flach ist. Bei einer Flut sollte so
vermieden werden, dass das Grab zerstört wird. Und bisher scheint es
ja bereits recht effektiv gewesen zu sein..
Nächster Anlaufpunkt ist das
„Stonehenge“ des Pazifik: Ha´amonga Trilithon und wurde wohl um
1200 nach Christus errichtet. Es besteht aus zwei, ca. 5 Meter hohen
Korallensteinblöcken, welche durch einen ca. 6 m langen
Korallensteinblock verbunden ist.
Die Kinder hier tragen übrigens alle
Schuluniformen. Je nach Schulzugehörigkeit haben sie
unterschiedliche Farben. Diese reichen von rot, über blau zu grün.
Eigentlich alle Schulen hier sind Privatschulen. So etwas wie
„öffentliche Bildung“ gibt es nicht..Aber- das hatte ich, glaube
ich, auch schon mal geschrieben..
Während wir von Sehenswürdigkeit zu
Sehenswürdigkeit fahren, kann man entlang der Straße, Melonen-,
Süßkartoffel-, Yuca-, Kürbis- und Tabakfelder sehen. Und natürlich
auch, die hier überall angepflanzten Kokospalmen sehen. Bei dieser
Gelegenheit fällt mir Amit´s Geschichte noch mal ein: sein „Chef“
hat ihn als „Challenge“ einfach mal für eine Woche auf einer
kleinen Insel ausgesetzt. Das einzige was er hatte, war ein
Feuerzeug, ein Messer, ein Schlafsackinlett und ein Art
„Leuchtrakete“ für Notfälle. Man sollte vielleicht dazu sagen,
dass er sich vorher beschwert hatte, dass es so langweilig ist und er
etwas unternehmen will und sein Chef (vom Boot) dann nur meinte: Du
hast jetzt nur die Möglichkeit „ja“ oder „nein“ zu
sagen..Tja, und er hat sich für „ja“ entschieden. Er hat
tatsächlich die Woche auf dieser einsamen Insel überlebt und sich
größtenteils nur von Kokusnüssen (deshalb komme ich gerade da
drauf) und deren Milch ernährt. Manchmal auch von den Krabben oder
ein paar zufällig gefangenen Fischen. Dazu hat er noch, wie Tom
Hanks in Cast away, „Kokosnußkunst“ geschnitzt..Also ich weiß
nur, dass ich wahrscheinlich schon nach einem Tag hätte die
Leuchtrakete abschießen müssen. Habe hier mit einem Messer mal
versucht, an den Inhalt einer Kokosnuss zu kommen. Ich brauche wohl
nicht näher zu erwähnen, dass ich nach einer Weile mit kleinem
Ergebnis (ein paar Streifen) aufgeben musste. War ja dann schon ganz
froh, dass ich mich nicht selbst verstümmelt habe :-)...
Unabhängig davon, müsste man mich
vermutlich in die Klinik einweisen, wenn ich 7 kg an Gewicht
verlieren würde...Amit konnte jedenfalls hinterher brav jeden Tag
eine Tafel Schokolade futtern, um wieder ein bisschen zuzulegen..
ICH bin ganz froh, dass ich keine Grund
brauche, um Schokolade zu essen ;-P..
Den Abschluss machen wir bei einer
netten Höhl an der Ostküste beim Oholei Beach Resort.
Hier gibt es in der Nähe auch ein
Restaurant, wo traditionelle Tänze vorgeführt werden. Die Höhle
ist darin integriert. Auch Hochzeiten finden hier statt.
Zuerst sieht alles ausgestorben aus,
aber dann treffe ich doch noch auf ca. 5 Leute und es entwickelt sich
ein nettes Gespräch. Man bietet mir Bananen von der Staude an, die
ich dankend annehme- ich hatte ja schließlich seit morgens 06:30 Uhr
nichts mehr gegessen.
Am späten Nachmittag komme ich ins
Guesthouse zurück und kümmere mich nun erst mal um was zu Essen.
Der Abend klingt mit ein paar netten
Gesprächen mit dem Inhaber und den anderen Gästen aus..
| Einladen der Koffer auf tonganisch |
| unsere "Brumm"-Maschine |
| Flying Foxes oder Brillenflughund |
| Blow Holes |
| Denkmal- Kapitän Cook (+ unser Fahrer, der gerne mit auf´s Bild wollte) |
| ich dachte eigentlich, Kinderarbeit ist verboten ;-) |
| Ha´amonga Trilithon |
| Effektive Überlebenstechnik |
| Oholei Beach Resort |
Also ich singe immer um 4:30 Uhr Kirchenlieder! Du etwa nicht??!!! :-O
AntwortenLöschenNa, also dadrauf würde ich jetzt nicht wetten :-), dass DU um diese Zeit Kirchenlieder singst ;-P
AntwortenLöschen