Nachdem ich Steve um 5 Uhr duschen,
drehe ich mich heute Morgen noch mal rum :-) und stehe dann gemütlich
gegen 07:30 Uhr auf. Da Steve bereits am späten Vormittag zurück
kommen wird und sich dann entscheidet, ob wir tatsächlich in den
Nationalpark fahren, beschäftige ich mich schon mal mit
Internetrecherche, Wäsche waschen und E-Mails beantworten. Gegen 12
Uhr kommt Steve dann auch von der Arbeit und meint nur: „Let´s go-
i only have to fix something on my car and than we can pack off.“
Ich bin wieder einmal froh meinen Schlafsack dabei habe. Innerhalb
von knapp 3 Stunden sind wir abmarschbereit. Seine Bekannte hat
dieses Wochenende leider keine Zeit uns zu hosten, da sie an beiden
Tagen in einer Band mitspielt- aber das Zelt und das Notwendigste für
einen Campingtrip ist im Wagen..Ich schätze mal, dass wird
vermutlich mein erstes und letztes Mal sein, wo ich in einem
tiefergelegten BMW- Caprio zum campen fahren :-)..Hat natürlich auch
Nachteile: die große Kühlbox passt nicht rein und die Kleine konnte
Steve auf Anhieb nicht finden..Aber- man ist ja erfindungsreich.
Letztendlich brauchen wir, trotz nur zweier kurzer Stopps, dann doch
gute 6 ½ Stunden, bis wir an unserer Campsite, dem Fern Flat
Campground, ankommen, nicht zuletzt, weil auch hier überall
Baustellen sind. Laut Steve beseitigen sie immer noch die Flutschäden
der Überflutung vor einigen Jahren. Das Permit haben wir uns vorher
via Internet besorgt. Eine lustige Story gibt es übrigens noch
vorab: nachdem Steve gegen 18 Uhr das Verdeck des Caprios geschlossen
hat, bin ich nach kurzer Zeit am Überlegen, ob ich ihn nicht frage,
ob er die Klimaanlage ein bisschen anmacht, da ich in meinen kurzen
Hosen und dem T-shirt nun doch ziemlich warm habe. Und- ja, was soll
ich sagen-just in dem Moment dreht Steve die Heizung auf! Also, egal
wer brauch mir in Zukunft bitte nicht mehr mit einem gestörten
Verhältnis zu Kälte zu kommen. Ich dachte, ich muss eingehen in dem
Auto. Das habe ich zu Steve auch gesagt und dann mein Fenster
geöffnet..Ich habe ihn dann auch scherzhaft gefragt, wie er den
russischen Winter überleben will :-)..In diesem schnittigen Wagen
fallen auch die vielen, toten Tiere am Straßenrand wesentlich mehr
auf, als vom Bus. Wahrscheinlich weil man einfach tiefer sitzt und
näher dran ist..Anyway- als wir dort ankamen, war es dunkel wie in
einem Kuha..Und Steve, oder eher gesagt, wir beide konnten uns
glücklich schätzen, dass ICH eine Taschenlampe im Gepäck habe.
Denn dieser Campground kann auch nicht mit dem Auto befahren werden,
sondern es muss alles ca. einen halben Kilometer hingetragen werden.
Vorteil ist: das es schön gelegene Zeltplätze direkt am Fluss
sind...Den wir natürlich um die Uhrzeit nicht mehr sehen konnten. Es
war schon schön, wenigstens einen Meter vor mir zu sehen und um uns
herum tobte das nächtliche Leben mit munterem Geraschel. Da wird
einem einmal mehr bewusst, wie schlecht doch die menschlichen Sinne
in der Dunkelheit sind...Außer uns waren nur noch zwei weitere Zelte
auf dem Zeltplatz und am Eingang zum Campground befindet sich ein
Toilette. Die Toiletten hier bei den Campingplätzen sind wirklich
sehr gut. Es sind sogenannte Hypridtoiletten: geruchsarm und immer
sauber. Innerhalb einer Stunde hatten wir es dann geschafft, alles
aufzubauen und alles, was wir auf dem Campground benötigen ins Zelt
zu schleppen.
Da wir am nächsten Morgen schon gegen
5.15 Uhr aufstehen wollten, war es dann auch schon gegen 22.15 Uhr
Zeit für´s „gemütliche Nachtlager“: *doppellach*. Ich
hatte großzügigerweise Steve´s Isomatte bekommen und er hat sich
die Decke unter seinen Schlafsack gelegt. Ich kann echt immer wieder
nur sagen: ICH werde nie ein Freund dieser schrecklichen Isomatten
werden. Klar- alles geht mal für ein paar Tage, aber mit den Dingern
über längere Zeit campen gehen: no way! Da denke ich doch
schmerzlich an all meine schönen Matratzen für mein Zelt zuhause
:-)..
Wie erwartet habe ich nicht wirklich
viel geschlafen als es auch schon wieder hell wird und der Wecker am
Handy rappelt. Nach einer Katzenwäsche geht es dann mit der Kamera
bewaffnet zur Aussichtsplattform. Der Eungella-Nationalpark ist
bekannt für seine Schnabeltiere, die hier, in der Dämmerung noch
relativ leicht beobachtet werden können. Und: das Glück ist wieder
bei den Tüchtigen. Wir sehen zwei Schnabeltiere, die für mich
überrascht, richtig klein sind. Geschätzte vielleicht 35-40 cm und
vielleicht 1-1,5 kg schwer. Aber die sind ja sowas von putzig
anzusehen. Total süss. Bevor sie auftauchen sind erst einmal
kreisförmige Wasserringe erkennbar, dann kommen deutlich sichtbare
Luftblasen und dann taucht das Schnabeltier auf, um kurze Zeit später
wieder abzutauchen. Sie können bis zu 10 Minuten unter Wasser
bleiben. Diese niedlichen, eierlegenden Säugetiere sind meistens in
den frühen Morgenstunden oder den dämmernden Abendstunden aktiv, so
dass mir ein Tagesausflug (9-15 Uhr) von MacKay definitiv nichts
gebracht hätte..Auch die Wasserschildkröten und Frösche sind schon
sehr aktiv..Wir verbringen hier fast 1 ½ Stunden, bevor wir zurück
zum Zelt gehen und im Anschluss erst einmal unser provisorisches
Früchstücksequipment aufzubauen, dass da heißt: Gaskocher, 2
Metallbecher, Messer, Löffel, Zucker, Instantkaffee, Wasser, und in
einem umfunktionierten Trinkgefäß mein Joghurt und Käse. Tja, mit
so wenig kann man auskommen- wenn´s nicht anders geht und das noch
nicht einmal soooo schlecht :-). Übrigens ist mir jeweils zweimal
auf meinem Weg zu unserem Campinground ein Wallaby über den Weg
gehüpft und natürlich hatte ich beide Male auch keine Kamera dabei-
is klar, nöb?!
Nach dem wir alles zusammengeräumt und
gesäubert haben, starten wir gegen 9 Uhr zu einer Wanderung in den
Nationalpark. Der Nationalpark ist ca. 51 000 Hektar groß und mit
tropischen und gemäßigtem Regenwald bedeckt. Je nach Track kann man
herrliche Aussichten ins Pioneer Valley erhaschen. Heute haben wir
uns für eine ca. 6 stündige Wanderung zum „Sky Window“
entschieden. Die Wege hier sind total schön. Da es super heiß ist,
gibt es wohl nicht viele Leute, die hier wandern gehen: die Wege
gleichen mehr kleinen, verschlungenen Pfaden und der Wald, mit seinen
vielen fremdartigen Pflanzen und dem Flusslauf (Broken River) gleicht
mehr einem verwunschenen Märchenwald. Wie zur Bestätigung ist auch
dieser Wald von Vogelstimmen erfüllt und bei jedem Schritt hat man
einen anderen Duft in der Nase. Kurz nach 15 Uhr erreichen wir wieder
den Parkplatz. Meine Beine sehen jetzt aus, als wäre ich einem
Nahkampf entronnen: alles verkratzt..Nachdem wir einen kurzen
Lunchstopp eingelegt haben, setzen wir uns ins Auto, um die Gegend
etwas zu erkunden. Ich bin mal wieder erstaunt, wie wenig Steve sein
Auto schont. Das ist definitiv ein reiner Gebrauchsgegenstand, denn
die Pisten hier sind meiner Meinung nach eher für Geländewagen
ausgelegt. Wir schauen uns noch einen anderen Campground:
Eungella-Dam an und fahren dann zurück in den kleinen Ort Eungella,
um ein bisschen Dosenfutter zu kaufen. Mit Dosenfutter und Chips
bewaffnet, geht es zurück zum Campground. Ich hatte mich vorher mit
einem jungen, australischen Paar unterhalten, welches eines der drei
Zelte besetzt hat. Die junge Frau kommt aus Brisbane, wohingegen ihr
Freund hier in MacKay wohnt und ihn dieses Wochenende besuchen war.
Wir haben uns ein bisschen unterhalten und geflaxt, da sie um 15 Uhr
zwei Flaschen Wein und Chips vor sich stehen hatten...Als wir dann zu
dem kleinen Geschäft gefahren sind, hatten wir dann auch überlegt,
uns Wein zu kaufen, aber da hier ja Spirituosen und andere Utensilien
getrennt sind, hatten wir da wenig Erfolg. Umso größer war dann die
Freude und Überraschung, als wir zurück kamen und vor unserem
Zelteingang eine Flasche Rotwein stand. Das Paar war anscheinend
heute dann doch noch abgereist und hatte uns dieses kleine Präsent
hinterlassen. Total süss. Nach dem Abendessen, wo es schon wieder
stockfinster war ) 18:45 Uhr gingen wir zurück in unser Zelt und
konnten den herrlichen Sternenhimmel und die nächtlichen Geräusche
genießen: nur das Rauschen des Baches, die Stimmen der Vögel und
das Rascheln rund um das Zelt. Laut Buch treiben hier unter anderem
Zwerggleitbeutler, Truthähne, Possums, Känguruhs, Warane,
Schlangen, Agarkröten und Frösche ihr Unwesen. Im schwachen Licht
der Taschenlampe konnten wir sogar einen Blick auf ein Rattenkänguru
erhaschen. Da es auf diesem Campingplatz keine Duschen gibt, musste
es ein Bad im Fluss und die Dusche aus der Dose tun. Steve hat mir
sein Deo gegeben, was mich total an meine Kindertage erinnert hat,
als ich immer, um möglichst die ganze Zeit den Geruch von meinem
Vater in der Nase zu haben, sein Deo benutzt habe :-)..Ja, es scheint
dann wohl doch alles wieder zu kommen :-)..
Nach einem rundum gelungenen Tag lassen
wir diesen im Zelt bei Wein und Chips gemütlich ausklingen- wobei
ich mich noch bis fast 23 Uhr darum drücke, mich wirklich hinzulegen
(aus bekannten Gründen)..
Der nächste Morgen startet
entspannter. Wir stehen erst gegen 7 Uhr auf und gehen nochmals zur
Plattform. Aber heute sind wir anscheinend dann doch etwas zu spät
dran- was aber ja nicht wirklich schlimm ist, da wir gestern schon so
viel Glück hatten.
Steve hat beschlossen, dass er dann nun
doch gerne noch einen weiteren Track hier laufen und dann später
zurückfahren will. Was mir nur recht ist, denn mein Bus geht erst um
18:30 Uhr von MacKay nach Airlie Beach.
Wir packen also unser Zelt zusammen und
kramen dann auch wieder unsere Frühstücksutensilien zusammen. Der
Käse hat dank der Hitze inzwischen den Geist aufgegeben und von
daher ein Hoch auf „Nutella“ und Toast. Die sind so schnell nicht
klein zu kriegen. Bei Steve gibt es wieder Dosenfutter zum Frühstück
und so gut gestärkt, geht es gegen 10 Uhr los zu einer weiteren 5
Stunden Wanderung, Auch hier kommt man sich wieder wie in einem
Märchenwald vor. Dieser Track scheint noch seltener begangen zu
werden, als der von gestern. Zum Teil ist er total zugewuchert.
Vielleicht ist das auch ein Grund, warum ich heute die nächste
Schlange sehe- dieses Mal: ganz in schwarz. Aber wie meistens und gut
für uns Menschen, macht sie sich schnell von dannen. Direkt am Pfad
befindet sich eines der riesigen Nester eines Casuari. Steve und ich
sind beide froh, dass wir dem „Papa“ nicht begegnen. Diese Vögel
sind sehr aggressiv und zeigen ausgeprägtes Revierverhalten. Vor
allem, wenn es um den eigenen Nachwuchs geht..Wir hören auch nicht
nur viele Vögel, wir bekommen auch Einige zu Gesicht. Unter anderem
sehe ich einen total hübschen Vogel mit grauem Rücken, rotem Bauch
und schwarzem Gesicht. Als wir kurz vor 15 Uhr wieder am Campground
ankommen, halten wir uns nicht mehr lange auf, sondern machen uns
direkt auf den Weg nach MacKay, welches ca. 87 km entfernt liegt.
Zurück durch das grüne Pioneer-Valley erreichen wir MacKay gegen
16:15 Uhr. Da Steve eine über 6 stündige Fahrt vor sich hat, gehen
wir nur noch schnell in den Supermarkt ein paar Kleinigkeiten
einkaufen und danach bringt er mich zur Bushaltestelle, während er
sich selbst auf den Weg macht. Ich habe mich im Supermarkt für Eis
entschieden, wobei es echt Irrsinn ist: die kleinere Packung kostet
fast doppelt so viel wie die Große..Ende der Geschichte: ich habe
zwei Holländer an der Bushaltestelle getroffen, mit denen ich dann
Eis geteilt habe- na ja, sie wollte nicht ganz so viel, wie ich hätte
anbieten können und mir war dann leicht übel hinterher ( ich
schätze mal die Packung war fast ein Liter?)..Anyway- mir ging´s
gut und der Bus kam dann auch mit ca. 15 Minuten Verspätung, um mich
an der Haltestelle aufzulesen. Interessant ist, dass hier strikte
Anschnallpflicht im Bus herrscht und es wohl mehr als teuer wird,
wenn man sich nicht anschnallt. Als ich kann definitiv sagen, dass
Australien alles andere als Easygoing ist..Vielleicht im abgelegenen
Outback, aber entlang der Touristenroute Fehlanzeige. Hier sieht man
in jeden Hostel, oder an allen Möglichen und Unmöglichen, was was
kostet, wenn man dies oder das tut.
Als ich dann in Airlie Beach mit über
einer Stunde Verspätung ankam, gab es dann noch richtig Trouble mit
meinem Host..Das Ende vom Lied war dann, dass ich spontan eine Nacht
woanders untergekommen bin und dank Steve noch eine Telefonnummer
hatte, wo ich die nächsten Tage bleiben kann. Was für ein
Knallkopf, sag ich da nur. In Airlie in der Woche der „Schoolies“
nämlich jetzt noch ein Bett zu bekommen, grenzt an ein Wunder.
Airlie Beach ist quasi einer der Orte in Australien, wo die
Schulabgänger eine Woche zum Feiern hinfahren. Dementsprechend ist
auch der Geräuschpegel und die Partystimmung ringsum ..Aber- egal:
Ende gut, alles gut. Ich muss mich hier erst mal an die wirklich
richtig tropischen Temperaturen gewöhnen :-)..
Hier ein paar Bilder dazu:
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| Schnabeltier |
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| Schnabeltier |
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| Wasserschildkröte |
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| geduldiges Froschmodell |
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| das geräumige Campmobil :-) |
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| profesorisches Frühstück |
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| ich finde diese riesigen Wurzeln immer wieder faszinierend... |
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| Ausblick vom Sky Window |
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| einer der häufig anzutreffenden Warane im Park |
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| Casuari-Nest: kleiner Größenvergleich |
 |
| auf der Suche nach einer Badestelle :-) |