Vanessa ist am Sonntag so lieb mit mir
in aller Herrgottsfrühe aufzustehen und mich für 06:40 Uhr ans
Busterminal zu fahren. Ach ja, hatte ich eigentlich erwähnt, dass
ich in Sydney 2 x kostenlos Bus gefahren bin? Das eine Mal bin ich
auf einen Busfahrer gestossen, der seinen letzten Urlaub in
Deutschland verbracht hatte und der das so toll fand, dass er mich
„zum Dank“ kostenlos mitgenommen hat und das zweite Mal, bin ich
an einer Haltestelle gelandet, wo man eigentlich das Ticket vorher
irgendwo im Laden kaufen muss..Als ich dann im Bus bezahlen wollte,
hat mich der Busfahrer einfach durchgewinkt und gesagt, ich solle
mich setzen, da es hier keine Barzahlung im Bus gibt..Da hatte ich
wohl seinen guten Tag erwischt.. Heute Morgen regnet es: also der
perfekte Tag, um ihn mehrere Stunden im Bus zu verbringen. Draußen
verpasst man bei dem Wetter sowieso nichts. Die Busfahrt vergeht
trotz der Zeitspanne von über 7 Stunden doch recht schnell. Ich
schaue aus dem Fenster, schlafe, höre mein Audiobuch und lasse
einfach nur die Umgebung auf mich wirken. Gegen 14:20 Uhr sind wir
dann an meinem heutigen Tagesziel Port Macquarie, wo ich für 2
Übernachtungen bleiben werde. Hier besteht sogar ein Abholservice
vom Hostel, so dass man wirklich kaum mit Gepäck laufen muss. Nach
dem Einchecken ziehe ich los, um hier noch etwas die Umgebung zu
erkunden. Für diesen Tag nehme mir nicht viel vor: nur etwas
umsehen, einkaufen, etwas zum Abendessen organisieren und später in
der Hostelküche treffe ich noch auf Alina von Berlin und Dani von
München. Mit denen ich ins Gespräch komme- was sich dann auch bis
zum Schlafengehen zieht.
Beide berichten von ihren Erfahrungen
hier mit Work and Holiday- was wohl zum Teil alles andere als rosig
abgelaufen ist, aber es gab natürlich nicht nur schlechte, sondern
auch gute Erfahrungen...Dani wollte eigentlich für 1 Jahr hier
bleiben, fliegt nun aber bereits Anfang Dezember nach knapp 3 Monaten
wieder zurück, da ihr Australien nicht „das geben konnte“, was
sie „erwartet“ hat. Sie hat wohl noch mehrere Leute getroffen,
denen es ähnlich ging. Letztendlich, so finde ich, ist das auch eine
wichtige Erfahrung: wenn man merkt, dass einem „Langzeitreisen“
oder einfach das ausgesuchte Land nichts bringen, sollte man nicht
versuchen, krampfhaft durchzuhalten, sondern dann die richtige
Entscheidung treffen und abbrechen. Man muss nicht so viel Geld
ausgeben, um sich unwohl zu fühlen..
Am darauffolgenden Tag breche ich gegen
9.15 Uhr nach dem Frühstück auf, um zunächst von meinem Hostel
aus, durch die „Haupteinkaufsstraße“, die Horton Street,
Richtung Strand zu laufen. Wie überall in Australien, sind auch hier
die Geschäfte 7 Tage die Woche geöffnet. Am Strand angekommen,
zieht es mich nach Osten, die Küstenlinie entlang. Zunächst
passiere ich die Strandpromenade mit den ganzen bemalten Steinen.
Jeder Stein ist individuell und je nach dem Geschmack „des
Künstlers“ gestaltet. Zum Teil sind die Steine auch aus völlig
unterschiedlichen Jahren. Wirklich nett anzusehen..Mein Weg führt
mich zunächst zum Town Beach, von dort weiter am Oxley Beach vorbei,
weiter zum Rocky Beach, im Anschluss folgt der Flynns Beach, der kurz
darauf vom Nobby´s Beach abgelöst wird. Dahinter verbirgt sich der
langezogene Shellybeach mit dem „Harry- Memorial“ (dem quasi
bekanntesten, inzwischen verstorbenen Bewohner von Macquarie).
Nachdem ich den Sea Acres Nationalpark passiert habe, gelange ich zum
Miners Beach, an dessen Ende ein Leuchtturm steht. Als ich dort oben
stehe, weht mich der Wind fast weg. Zwar sah es heute Anfangs sehr
ungemütlich aus- die Temperaturen waren aber ausgesprochen warm und
als dann später die Wolkendecke aufgerissen ist, hätte man sich
beim Laufen gerne wieder den bedeckten Himmel zurückgewünscht
:-)..Während ich entlang des Strandes gelaufen bin, konnte ich mir
die Pflanzenwelt etwas genauer betrachten. Wenn man ganz genau
hingeschaut hat und mit dem Finger über die Pflanzenblätter
gestrichen ist, hat man die Salzschicht bemerkt bzw. an den Händen
gehabt, die der Ozean durch die Gischt regelmäßig in die Luft
abgibt. Da wird einem mal wieder klar, wie gut adaptiert diese
Pflanzen an ihre Umgebung sind. Wenn man unterwegs Leuten begegnet,
dann lautet die Begrüßung eigentlich immer, unabhängig von der
Uhrzeit: „Good day“. Australien ist wirklich in Vielem
Deutschland sehr ähnlich :-)..Außer, dass es hier ein bißchen
wärmer ist und man mehr Strände hat, wie bei uns..Da ich nun schon
wiederholt über den Kostenfaktor hier geschimpft habe, muss ich der
Fairness halber, nun natürlich auch mal wieder was Positives
loswerden: es gibt hier wahnsinnig viele, pickobello saubere,
kostenlose, öffentliche Toiletten. Also daran könnte Deutschland
sich mal eine Scheibe abschneiden..
Nachdem vom Leuchtturm aus, den Blick
in die Umgebung genossen habe, mache ich mich auf den Weg ins
Koalahospital, wo ich um 14 Uhr mit Dani verabredet bin. Hier findet
auch um 15 Uhr eine kostenlose Führung statt. Es gibt viele Infos
über Koalas. Hierzu ein kleiner Ausschnitt von den Infotafeln und
den Erklärungen der vielen, freiwilligen Helfer, ohne die das
Betreiben dieser Station gar nicht möglich wäre. Natürlich tragen
auch die Spenden der Besucher und das Übernehmen von Patenschaften
entscheidend zum Gelingen des Unternehmens bei. Koalas schlafen bis
zu 20 Stunden am Tag, so dass wir uns glücklich schätzen konnten,
dass wir den ein oder anderen wach antreffen konnten. Für die
Nahrungsbeschaffung sind extra „Eukalyptuspflücker“ engagiert,
die jeden Morgen um 6 Uhr antreten, um die spezifische Nahrung zu
besorgen, damit bis 8 Uhr zur Fütterungszeit genug Nahrung zur
Verfügung steht. Jährlich werden hier bis zu 300 Koalas behandelt,
die Verkehrsunfällen, Hundeattacken, Feuersbrünsten oder
Viruserkrankungen zum Opfer fallen. Soweit möglich, werden die Tiere
auch wieder ausgewildert. Immer in der Gegend, wo sie gefunden
wurden. Die strohtrockenen Kotpillen werden hier jeden Morgen
eingesammelt und zum Düngen der Eukalyptusbäume verwendet. Manche
Koalas wurden so verletzt (so starke Verbrennungen, dass ein Klettern
nicht mehr möglich ist, amputierte Gliedmaßen..), dass sie den Rest
ihres Lebens im Hospital verbringen. Absoluter Altersrekord hielt ein
Koalaweibchen, dass das stolze Alter von 25 Jahren erreichte.
Normalerweise liegt die Altersgrenze wohl bei ca. 16 Jahren. Der
Nachwuchs, wird ähnlich wie beim Känguru, die ersten 30 Wochen im
Beutel großgezogen und ist etwas größer als eine Erdnuss. Um sich
nach der Muttermilch auf die Blätternahrung umzustellen, benötigt
das Kleine zunächst mütterliche Hilfe, d.h. ein als „Papp“
bezeichnete Nahrung, der von der Koalamutter abgegeben wird, nachdem
das Jungtier die Aftergegend mit Schnauze und Pfote massiert hat. Die
Konsistenz ist weich- fast flüssig. Der aufgenommene Nahrungsbrei
ermöglicht dem jungen Koala die Umstellung von Milch- auf
Blattnahrung. Während des Aufenthaltes im Hospital ist überall der
typische Eukalyptusgeruch vernehmbar, welcher bekanntermaßen daher
kommt, da die komplette Nahrung der knuffigen Tieren aus WAS??? Ja,
genau Eukalyptus besteht.
Aber nicht nur Hunde stellen eine
Gefahrenquelle dar. Auch das Ertrinken in einem Pool ist keine
Seltenheit. Zwar können Koalas schwimmen, kommen aber an den glatten
Schwimmbadwänden nicht mehr aus dem Pool heraus. Daher sollte jeder
verantwortungsbewusste Pool und Hundebesitzer a.) einen Möglichkeit
anhand eines Seiles, Baumstammes schaffen, dass der Koala wieder aus
dem Pool klettern kann und b.) seinen Hund über Nacht im Haus halten
oder anbinden, so dass der Koala eine Chance hat, aus der Reichweite
des Hundes zu gelangen.
Gegen 16 Uhr ist die interessante
Führung und Dani und ich machen uns auf den Rückweg zum Hostel. Ich
freue mich nun erst einmal auf eine heiße Dusche und verdrücke im
Anschluss noch die Reste meiner Pizza von gestern Dazu gibt es ein:
Achtung herhören: Schöfferhofer Cola-Weizen:-)..Nachdem auch das
australische Bier hier im Einkauf rund 5 € pro Flasche kostet, habe
ich beschlossen, dass ich mir auch das importierte, von mir
heißgeliebte Weizen mal gönnen kann, wenn der Preis ja sowieso der
gleiche ist..
Nun werde ich noch meine Unterkünfte,
den Bus, meine Couchsurfing antworten checken und das war es dann für
mich heute..
Dann mal bis die Tage..Ich komm wieder-
keine Frage :-)
| schwer erkennbar, wo ich bin:-) |
| harmloser Hai |
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