Aktuelle Zeit bei mir :-)

Montag, 19. November 2012

Eungella Nationalpark-Land der Wolken-16.11.-18.11.2012

Nachdem ich Steve um 5 Uhr duschen, drehe ich mich heute Morgen noch mal rum :-) und stehe dann gemütlich gegen 07:30 Uhr auf. Da Steve bereits am späten Vormittag zurück kommen wird und sich dann entscheidet, ob wir tatsächlich in den Nationalpark fahren, beschäftige ich mich schon mal mit Internetrecherche, Wäsche waschen und E-Mails beantworten. Gegen 12 Uhr kommt Steve dann auch von der Arbeit und meint nur: „Let´s go- i only have to fix something on my car and than we can pack off.“ Ich bin wieder einmal froh meinen Schlafsack dabei habe. Innerhalb von knapp 3 Stunden sind wir abmarschbereit. Seine Bekannte hat dieses Wochenende leider keine Zeit uns zu hosten, da sie an beiden Tagen in einer Band mitspielt- aber das Zelt und das Notwendigste für einen Campingtrip ist im Wagen..Ich schätze mal, dass wird vermutlich mein erstes und letztes Mal sein, wo ich in einem tiefergelegten BMW- Caprio zum campen fahren :-)..Hat natürlich auch Nachteile: die große Kühlbox passt nicht rein und die Kleine konnte Steve auf Anhieb nicht finden..Aber- man ist ja erfindungsreich. Letztendlich brauchen wir, trotz nur zweier kurzer Stopps, dann doch gute 6 ½ Stunden, bis wir an unserer Campsite, dem Fern Flat Campground, ankommen, nicht zuletzt, weil auch hier überall Baustellen sind. Laut Steve beseitigen sie immer noch die Flutschäden der Überflutung vor einigen Jahren. Das Permit haben wir uns vorher via Internet besorgt. Eine lustige Story gibt es übrigens noch vorab: nachdem Steve gegen 18 Uhr das Verdeck des Caprios geschlossen hat, bin ich nach kurzer Zeit am Überlegen, ob ich ihn nicht frage, ob er die Klimaanlage ein bisschen anmacht, da ich in meinen kurzen Hosen und dem T-shirt nun doch ziemlich warm habe. Und- ja, was soll ich sagen-just in dem Moment dreht Steve die Heizung auf! Also, egal wer brauch mir in Zukunft bitte nicht mehr mit einem gestörten Verhältnis zu Kälte zu kommen. Ich dachte, ich muss eingehen in dem Auto. Das habe ich zu Steve auch gesagt und dann mein Fenster geöffnet..Ich habe ihn dann auch scherzhaft gefragt, wie er den russischen Winter überleben will :-)..In diesem schnittigen Wagen fallen auch die vielen, toten Tiere am Straßenrand wesentlich mehr auf, als vom Bus. Wahrscheinlich weil man einfach tiefer sitzt und näher dran ist..Anyway- als wir dort ankamen, war es dunkel wie in einem Kuha..Und Steve, oder eher gesagt, wir beide konnten uns glücklich schätzen, dass ICH eine Taschenlampe im Gepäck habe. Denn dieser Campground kann auch nicht mit dem Auto befahren werden, sondern es muss alles ca. einen halben Kilometer hingetragen werden. Vorteil ist: das es schön gelegene Zeltplätze direkt am Fluss sind...Den wir natürlich um die Uhrzeit nicht mehr sehen konnten. Es war schon schön, wenigstens einen Meter vor mir zu sehen und um uns herum tobte das nächtliche Leben mit munterem Geraschel. Da wird einem einmal mehr bewusst, wie schlecht doch die menschlichen Sinne in der Dunkelheit sind...Außer uns waren nur noch zwei weitere Zelte auf dem Zeltplatz und am Eingang zum Campground befindet sich ein Toilette. Die Toiletten hier bei den Campingplätzen sind wirklich sehr gut. Es sind sogenannte Hypridtoiletten: geruchsarm und immer sauber. Innerhalb einer Stunde hatten wir es dann geschafft, alles aufzubauen und alles, was wir auf dem Campground benötigen ins Zelt zu schleppen.
Da wir am nächsten Morgen schon gegen 5.15 Uhr aufstehen wollten, war es dann auch schon gegen 22.15 Uhr Zeit für´s „gemütliche Nachtlager“: *doppellach*. Ich hatte großzügigerweise Steve´s Isomatte bekommen und er hat sich die Decke unter seinen Schlafsack gelegt. Ich kann echt immer wieder nur sagen: ICH werde nie ein Freund dieser schrecklichen Isomatten werden. Klar- alles geht mal für ein paar Tage, aber mit den Dingern über längere Zeit campen gehen: no way! Da denke ich doch schmerzlich an all meine schönen Matratzen für mein Zelt zuhause :-)..
Wie erwartet habe ich nicht wirklich viel geschlafen als es auch schon wieder hell wird und der Wecker am Handy rappelt. Nach einer Katzenwäsche geht es dann mit der Kamera bewaffnet zur Aussichtsplattform. Der Eungella-Nationalpark ist bekannt für seine Schnabeltiere, die hier, in der Dämmerung noch relativ leicht beobachtet werden können. Und: das Glück ist wieder bei den Tüchtigen. Wir sehen zwei Schnabeltiere, die für mich überrascht, richtig klein sind. Geschätzte vielleicht 35-40 cm und vielleicht 1-1,5 kg schwer. Aber die sind ja sowas von putzig anzusehen. Total süss. Bevor sie auftauchen sind erst einmal kreisförmige Wasserringe erkennbar, dann kommen deutlich sichtbare Luftblasen und dann taucht das Schnabeltier auf, um kurze Zeit später wieder abzutauchen. Sie können bis zu 10 Minuten unter Wasser bleiben. Diese niedlichen, eierlegenden Säugetiere sind meistens in den frühen Morgenstunden oder den dämmernden Abendstunden aktiv, so dass mir ein Tagesausflug (9-15 Uhr) von MacKay definitiv nichts gebracht hätte..Auch die Wasserschildkröten und Frösche sind schon sehr aktiv..Wir verbringen hier fast 1 ½ Stunden, bevor wir zurück zum Zelt gehen und im Anschluss erst einmal unser provisorisches Früchstücksequipment aufzubauen, dass da heißt: Gaskocher, 2 Metallbecher, Messer, Löffel, Zucker, Instantkaffee, Wasser, und in einem umfunktionierten Trinkgefäß mein Joghurt und Käse. Tja, mit so wenig kann man auskommen- wenn´s nicht anders geht und das noch nicht einmal soooo schlecht :-). Übrigens ist mir jeweils zweimal auf meinem Weg zu unserem Campinground ein Wallaby über den Weg gehüpft und natürlich hatte ich beide Male auch keine Kamera dabei- is klar, nöb?!
Nach dem wir alles zusammengeräumt und gesäubert haben, starten wir gegen 9 Uhr zu einer Wanderung in den Nationalpark. Der Nationalpark ist ca. 51 000 Hektar groß und mit tropischen und gemäßigtem Regenwald bedeckt. Je nach Track kann man herrliche Aussichten ins Pioneer Valley erhaschen. Heute haben wir uns für eine ca. 6 stündige Wanderung zum „Sky Window“ entschieden. Die Wege hier sind total schön. Da es super heiß ist, gibt es wohl nicht viele Leute, die hier wandern gehen: die Wege gleichen mehr kleinen, verschlungenen Pfaden und der Wald, mit seinen vielen fremdartigen Pflanzen und dem Flusslauf (Broken River) gleicht mehr einem verwunschenen Märchenwald. Wie zur Bestätigung ist auch dieser Wald von Vogelstimmen erfüllt und bei jedem Schritt hat man einen anderen Duft in der Nase. Kurz nach 15 Uhr erreichen wir wieder den Parkplatz. Meine Beine sehen jetzt aus, als wäre ich einem Nahkampf entronnen: alles verkratzt..Nachdem wir einen kurzen Lunchstopp eingelegt haben, setzen wir uns ins Auto, um die Gegend etwas zu erkunden. Ich bin mal wieder erstaunt, wie wenig Steve sein Auto schont. Das ist definitiv ein reiner Gebrauchsgegenstand, denn die Pisten hier sind meiner Meinung nach eher für Geländewagen ausgelegt. Wir schauen uns noch einen anderen Campground: Eungella-Dam an und fahren dann zurück in den kleinen Ort Eungella, um ein bisschen Dosenfutter zu kaufen. Mit Dosenfutter und Chips bewaffnet, geht es zurück zum Campground. Ich hatte mich vorher mit einem jungen, australischen Paar unterhalten, welches eines der drei Zelte besetzt hat. Die junge Frau kommt aus Brisbane, wohingegen ihr Freund hier in MacKay wohnt und ihn dieses Wochenende besuchen war. Wir haben uns ein bisschen unterhalten und geflaxt, da sie um 15 Uhr zwei Flaschen Wein und Chips vor sich stehen hatten...Als wir dann zu dem kleinen Geschäft gefahren sind, hatten wir dann auch überlegt, uns Wein zu kaufen, aber da hier ja Spirituosen und andere Utensilien getrennt sind, hatten wir da wenig Erfolg. Umso größer war dann die Freude und Überraschung, als wir zurück kamen und vor unserem Zelteingang eine Flasche Rotwein stand. Das Paar war anscheinend heute dann doch noch abgereist und hatte uns dieses kleine Präsent hinterlassen. Total süss. Nach dem Abendessen, wo es schon wieder stockfinster war ) 18:45 Uhr gingen wir zurück in unser Zelt und konnten den herrlichen Sternenhimmel und die nächtlichen Geräusche genießen: nur das Rauschen des Baches, die Stimmen der Vögel und das Rascheln rund um das Zelt. Laut Buch treiben hier unter anderem Zwerggleitbeutler, Truthähne, Possums, Känguruhs, Warane, Schlangen, Agarkröten und Frösche ihr Unwesen. Im schwachen Licht der Taschenlampe konnten wir sogar einen Blick auf ein Rattenkänguru erhaschen. Da es auf diesem Campingplatz keine Duschen gibt, musste es ein Bad im Fluss und die Dusche aus der Dose tun. Steve hat mir sein Deo gegeben, was mich total an meine Kindertage erinnert hat, als ich immer, um möglichst die ganze Zeit den Geruch von meinem Vater in der Nase zu haben, sein Deo benutzt habe :-)..Ja, es scheint dann wohl doch alles wieder zu kommen :-)..
Nach einem rundum gelungenen Tag lassen wir diesen im Zelt bei Wein und Chips gemütlich ausklingen- wobei ich mich noch bis fast 23 Uhr darum drücke, mich wirklich hinzulegen (aus bekannten Gründen)..
Der nächste Morgen startet entspannter. Wir stehen erst gegen 7 Uhr auf und gehen nochmals zur Plattform. Aber heute sind wir anscheinend dann doch etwas zu spät dran- was aber ja nicht wirklich schlimm ist, da wir gestern schon so viel Glück hatten.
Steve hat beschlossen, dass er dann nun doch gerne noch einen weiteren Track hier laufen und dann später zurückfahren will. Was mir nur recht ist, denn mein Bus geht erst um 18:30 Uhr von MacKay nach Airlie Beach.
Wir packen also unser Zelt zusammen und kramen dann auch wieder unsere Frühstücksutensilien zusammen. Der Käse hat dank der Hitze inzwischen den Geist aufgegeben und von daher ein Hoch auf „Nutella“ und Toast. Die sind so schnell nicht klein zu kriegen. Bei Steve gibt es wieder Dosenfutter zum Frühstück und so gut gestärkt, geht es gegen 10 Uhr los zu einer weiteren 5 Stunden Wanderung, Auch hier kommt man sich wieder wie in einem Märchenwald vor. Dieser Track scheint noch seltener begangen zu werden, als der von gestern. Zum Teil ist er total zugewuchert. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum ich heute die nächste Schlange sehe- dieses Mal: ganz in schwarz. Aber wie meistens und gut für uns Menschen, macht sie sich schnell von dannen. Direkt am Pfad befindet sich eines der riesigen Nester eines Casuari. Steve und ich sind beide froh, dass wir dem „Papa“ nicht begegnen. Diese Vögel sind sehr aggressiv und zeigen ausgeprägtes Revierverhalten. Vor allem, wenn es um den eigenen Nachwuchs geht..Wir hören auch nicht nur viele Vögel, wir bekommen auch Einige zu Gesicht. Unter anderem sehe ich einen total hübschen Vogel mit grauem Rücken, rotem Bauch und schwarzem Gesicht. Als wir kurz vor 15 Uhr wieder am Campground ankommen, halten wir uns nicht mehr lange auf, sondern machen uns direkt auf den Weg nach MacKay, welches ca. 87 km entfernt liegt. Zurück durch das grüne Pioneer-Valley erreichen wir MacKay gegen 16:15 Uhr. Da Steve eine über 6 stündige Fahrt vor sich hat, gehen wir nur noch schnell in den Supermarkt ein paar Kleinigkeiten einkaufen und danach bringt er mich zur Bushaltestelle, während er sich selbst auf den Weg macht. Ich habe mich im Supermarkt für Eis entschieden, wobei es echt Irrsinn ist: die kleinere Packung kostet fast doppelt so viel wie die Große..Ende der Geschichte: ich habe zwei Holländer an der Bushaltestelle getroffen, mit denen ich dann Eis geteilt habe- na ja, sie wollte nicht ganz so viel, wie ich hätte anbieten können und mir war dann leicht übel hinterher ( ich schätze mal die Packung war fast ein Liter?)..Anyway- mir ging´s gut und der Bus kam dann auch mit ca. 15 Minuten Verspätung, um mich an der Haltestelle aufzulesen. Interessant ist, dass hier strikte Anschnallpflicht im Bus herrscht und es wohl mehr als teuer wird, wenn man sich nicht anschnallt. Als ich kann definitiv sagen, dass Australien alles andere als Easygoing ist..Vielleicht im abgelegenen Outback, aber entlang der Touristenroute Fehlanzeige. Hier sieht man in jeden Hostel, oder an allen Möglichen und Unmöglichen, was was kostet, wenn man dies oder das tut.
Als ich dann in Airlie Beach mit über einer Stunde Verspätung ankam, gab es dann noch richtig Trouble mit meinem Host..Das Ende vom Lied war dann, dass ich spontan eine Nacht woanders untergekommen bin und dank Steve noch eine Telefonnummer hatte, wo ich die nächsten Tage bleiben kann. Was für ein Knallkopf, sag ich da nur. In Airlie in der Woche der „Schoolies“ nämlich jetzt noch ein Bett zu bekommen, grenzt an ein Wunder. Airlie Beach ist quasi einer der Orte in Australien, wo die Schulabgänger eine Woche zum Feiern hinfahren. Dementsprechend ist auch der Geräuschpegel und die Partystimmung ringsum ..Aber- egal: Ende gut, alles gut. Ich muss mich hier erst mal an die wirklich richtig tropischen Temperaturen gewöhnen :-)..
Hier ein paar Bilder dazu:
Schnabeltier

Schnabeltier

Wasserschildkröte

geduldiges Froschmodell



das geräumige Campmobil :-)

profesorisches Frühstück


ich finde diese riesigen Wurzeln immer wieder faszinierend...


Ausblick vom Sky Window

einer der häufig anzutreffenden Warane im Park

Casuari-Nest: kleiner Größenvergleich

auf der Suche nach einer Badestelle :-)
 

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