Als wir uns an diesem Morgen zum
Frühstück auf die kleine Terrasse unseres Zimmers zum Frühstück
einfinden, schaue ich im Vorbeilaufen im Zimmer auf das Thermometer
meines Rucksacks: „Oh- nett, morgens um kurz nach 8 Uhr schon 28 °C
im Schatten..“..Aufgrund des Regens hatte es ja auch nicht
abgekühlt..
Nach dem Frühstück machen wir uns auf
den Weg zum White sand beach (Bias Tugal), der auch wirklich hält,
was er verspricht. Es ist eine kleine, feinsandige Weise Bucht, nur
ca. 15 Minuten vom Dorfzentrum entfernt. Man meint zwar nicht, wenn
man über die Schotterpiste kraxelt, dass es hier irgendwo zum Strand
geht, aber am Ende, etwas versteckt ist ein kleiner netter Strand zu
finden. Hier bleiben wir erst mal kurz und genießen die Ruhe und die
Atmosphäre. Im Hintergrund das leise Meeresrauschen, das sofort für
Entspannung sorgt..
Auf unserem Weg zurück entdecken wir
auch noch ein frischgeborenes Kalb, welches sich noch kaum auf den
Beinen halten kann, während die Mutterkuh noch mit der Nachgeburt zu
kämpfen hat..
Zurück im Dorf gönnen wir uns erst
mal einen leckeren, frischen Fruchtsaft, bevor es weiter gen Westen
geht. Natürlich habe ich auch hier- weil ich bestellt habe- zu viel
bezahlt. Aber- nun weiß ich die „offiziellen“ Preise und das
passiert mir nicht noch mal. Hier auf die Ehrlichkeit der Menschen-
die Touristen vielfach eher als „Melkkuh“ ansehen zu vertrauen,
ist keine gute Idee..
Irgendwie eigentümlich fand ich auch,
wie ich in einem der Tempel in einem Raum eine Playstation und ein
Fernseher entdeckt habe..Das ist schon eine seltsame Kombination
zwischen dem traditionellen und „modernen“ Bali :-)..
Natürlich gibt es auch zu dem Thema
„Gewohnheiten“ noch einen kleinen „Schwanker“ zu berichten :-).
In unseren Homestays hatten wir ja immer neben dem typischen
Wasserzuber/Wassereimer mit Schöpfkelle einen Brausekopf..Made hat
mir dann aber mal anvertraut, dass er sich nicht unter die Brause
stelle. Er bevorzuge „seine Schöpfkelle“..Da sieht man mal
wieder, welche Gewohnheitsmenschen wir doch alle sind :-)..
Nächste Station des heutigen Tages ist
Goa Lawah, der Tempel, welcher den Eingang zur heiligen
Fledermaushöhle bildet. Eine unzählbare Zahl an Fruchtfledermäusen
baumeln dicht nebeneinander, so dass es aussieht, als würde der Fels
im Inneren der Höhle leben..Dieser Tempel erscheint in allen
Verzeichnissen als einer der heiligsten 6 Tempel der Insel. Die
Balinesen sind überzeugt, dass diese Höhle nur der Anfang eines
langgestreckten Höhlensystems ist, das beim Bergheiligtum Pura Besakih einen Ausgang hat (am Fuße des Gunung Agang). Dieser Glaube
geht u.a. darauf zurück, dass im 17.Jhd. der Anspruch eines Prinzen
der Mengwi- Dynastie bezweifelt wurde, so dass der Gerichtshof in Klungkung entschied, ihn einer Probe zu unterziehen. Sollte er die
Höhle mit ihren giftigen Schlangen überleben, sei sein Anspruch
gerechtfertigt. Der Prinz überstand die Prüfung unbeschadet und
tauchte ein paar Tage später wieder aus einer Höhlensystem beim
Besakih- Komplex auf. Als weiteres Zeichen wird das spurlose
Verschwinden zweier Kampfhähne verstanden, welche während eines
Hahnenkampfes in Goa Lawah verschwanden und ein paar Tage später in
Besakih wiederentdeckt wurden..
In der dunklen Höhle des
Tempelkomplexes werden Unterweltgottheiten verehrt. An erster Stelle
Sanghyang Naga Basuki, der Herr der Schlangen. Dieser ist eine der
beiden Unterweltschlangen, die die Weltenschildkröte Bedawang
umschlingen, auf der die Insel Bali ruht. In der Tiefe der Höhle
sollen Schlangen hausen- Manifestationen von Naga Basuki, welche sich
von den verendeten Fledermäusen ernähren.
Bevor man diesen schönen Tempel
allerdings bewundern kann, muss man sich zunächst wieder durch eine
Heerschar von sehr aufdringlichen Verkäufern kämpfen :-). Bei
meinem Besuch fand mal wieder gerade eine Zeremonie statt :-).
Auf der Höhe von Klungkung liegt am
schwarzen Lavstrand ein kleiner Tempel- Pura Batu Klotok. Diesen
wollte ich mir anschauen und auch dort fand gerade wieder eine
Zeremonie statt. Die Lage am Meer ist sehr schön und bei den Roben
dieser Menschen war die vorherrschende Farbe „rot“.
Überraschenderweise war hier kein Eintritt zu zahlen und ich konnte
mich in Ruhe auf dem Gelände bewegen.
Weiter ging die Fahrt nach über
Kamasan nach Klungkung, wo Made mich in Ersterem zunächst zu einer
Familie brachte, welche die traditionelle Malerei (Wayang-Stil)
praktiziert und wo ich mich erst mal in Ruhe umsehen konnte. Hier
hatte bereits der Raja von Gelgel 1380 seine Hofkünstler
angesiedelt. Die Gemälde sind meist unsigniert, wie es der Tradition
entspricht, denn die Künstler wurden früher als Handwerker
angesehen, die im Dienste eines Rajas standen und lediglich dessen
Aufträge ausführten. Neben Gemälden auf Leinwand, gab es hier auch
bemalte Eier, Kokosnnüsse und Figuren aus Holz.
Klungkung selbst, welches 1995 in
Semarapura umbenannt wurde, ist wohl immer noch eines der kulturellen
Zentren von Ostbali. In den Überresten des ehemaligen Königspalastes
befindet sich die Kerta Gosa, die Gerichtshalle von Klungkung aus dem
18. Jahrhundert.
Eindrucksvoll verdeutlichen die
Malereien (auch im Wayang-Stil) an der Decke die Strafen, welche die
Verbrecher zu erwarten hatten. Diese waren ursprünglich auf Leinwand
gemalt; erst im Zuge der Restaurierung fixierte man sie auf haltbare
Zementplatten (um 1960). Im Wayang- Sil wird eine Geschichte erzählt,
in deren Mittelpunkt die ein und dieselbe Person steht. Während der
Verurteilte vor seinen Richtern stand, konnte er mit einem Blick zur
Decke quasi schon erahnen, was ihn erwartete. Es wurde aber als
Gegensatz dazu auch der Himmel und seine Belohnungen für die
Menschen dargestellt, die in ihrem Leben Gesetzt und Ordnung befolgt
haben. Für die Malereien wurden die fünf Grundfarben verwendet.
Für die Richter und Beisitzer befinden
sich in der Mitte der Halle sechs reichverzierte Stühle welche sich
um einen kleinen Tisch scharen.
Zugehörig ist das Semarajaya- Museum
mit einem Querschnitt aus der Region: der Kampf gegen die Holländern,
die traditionelle Palmweinherstellung, die Kunst des Songket- Webens
etc.
Die Vormachtstellung des Rajas wurde
nämlich erst 1908 durch die Invasion der Holländer gebrochen,
welche zur kollektiven Selbsttötung (über 200 Menschen) führte.
Der Königspalast wurde durch die Kanonen der Holländer fast völlig
zerstört.
Nahe von Klungkung liegt das kleine
Örtchen Tihingan, welches bekannt für seine traditionelle Gong-
Herstellung ist. Leider kamen wir erst am späten Nachmittag dort an,
so dass die Arbeiten bereits schon eingestellt waren.
Von hier aus machten wir uns auf den
Rückweg nach Batubulan, da es kostengünstiger ist hier noch mal den
einen oder anderen Ausflug mit dem Moped zu unternehmen und ich hätte
ja nie gedacht, dass ich das mal schreibe, aber das Mopedfahren ist
so toll mit Made im Vergleich zum Autofahren, dass ich da nun total
tiefenentspannt bin, wobei ich beim Autofahren als Beifahrer immer
fast nur ins Amaturenbrett beißen möchte :-)..
Batubulan ist übrigens das
traditionelle Zentrum der Bildhauer, die ursprünglich nur für
Tempel, mittlerweile auch für Hotelanlagen, kunstvolle steinerne
Statuen und Reliefs anfertigen. Das ist wohl eine der wenigen Künste,
bei der man vergeblich versuchen kann, dieser den Schuh der
Massenproduktion anzupressen, so dass diese sich in ihrer
Ursprünglichkeit noch weitgehend erhalten hat.
Heute Abend habe ich dann auch
Gelegenheit, um Roswitha kennenzulernen. Wir verstehen uns auf Anhieb
blendend und verquatschen spielend erst einmal mehrere Stunden. Ich
werde nun im Nebenzimmer einquartiert und es ist noch alles wie
vorher: als ich duschen will: gibt’s kein Wasser. Also hält wieder
die Schöpfkelle her ;-)..Oder um es mit Roswithas Worten
auszudrücken: „Ist doch sowieso viel besser: da hast Du wenigstens
mal einen ordentlichen Schwall Wasser :-)...“
| White Sand Beach- Padang Bai |
| Hafen Padang Bai |
| Kuh mit Neugeborenem |
| White sand Beach |
| Goa Lawah |
| White sand beach |
| Zeremonie im Goa Lawah |
| Strand beim Pura Batu Klotok |
| Goa Lawah |
| Zeremonie im Pura Batu Klotok |
| Statue im Pura Batu Klotok |
| hinter dem Priester im Pura Batu Klotok |
| Künstlerin in Kamasan |
| Deckenmalerei in Kerta Gosa |
| Deckenmalerei in Kerta Gosa |
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