Nach einem Kaffee sieht die Welt
allerdings schon anders aus und ich stehe pünktlich um 07:35 Uhr an
der Bushaltestelle. Der Bus fährt auch tatsächlich schon um 07:40
Uhr vor und 10 Minuten später ab (so viel dazu: planmäßige Abfahrt
8 Uhr..).
Nach guten 40 Minuten steige ich an der
Abzweigung zum Headquarter aus und laufe die 500 m bis zum Eingang.
Der Park liegt ca. 20 km nordwestlich von Kuching und ist 2230 ha
groß. Die umliegenden Berge bestehen aus Sandstein. Auch hier habe
ich „nur“ ein Bett gemietet- da der Park aber wenig besucht ist,
habe ich ein 6 Bett Zimmer für mich alleine. Im gleichen Haus ist
noch der Italiener Nicola, der irgendetwas im Bereich „Botanik“
studiert hat. Zu dem Hostel gehört ein Aufenthaltsraum, 2 Toiletten,
eine Dusche und eine Küche.
Hier gibt es auch Toilettenpapier-
nicht wie in Bako. Konnte mich dort einmal mehr auf meine
„ausgerüstet-für-jede-Situation“- Art verlassen (indem ich
nämlich- wie immer- eine Rolle Klopapier dabei hatte). Rühmten sie
sich gebenüber meiner Mitbewohnerin im Schlafsaal noch damit, dass
der „gemixte Dorm“ ja so westlich sei..Haben sie DIESE
Einstellung bei den Toiletten wohl vergessen. Dort gab´s kein
Papier- auch nicht auf Nachfrage- und nur den Wasserschlauch..
Gegen 09:30 Uhr ziehe ich, nachdem ich
meine Sachen abgestellt habe, los, um den Gipfel- Weg zu laufen.
Einer der anderen Wege, welchen ich gerne gelaufen wäre, ist gerade
gesperrt. Laut dem Ranger sind mehrere der Orang- Utans der
Auffangstation ausgebrochen und das eine oder andere männliche Tier
sei zu aggressiv und der Weg daher gesperrt..
Meine Nachfrage, dass sich die Tiere
sicher nicht an markierte Trails halten und sie dann ja auch andere
Trails sperren müssten, wurde geflissentlich ignoriert :-)..
Tja- und der Gipfel- Weg macht seinem
Namen alle Ehre. Es geht geschlagene 3 Stunden in einem Winkel von
ca. 30 °C steil nach oben.
Der Park ist bekannt für seinen
Pflanzenreichtum (Kannenpflanzen, Orchideen, Palmen)- weniger für
gute Tierbeobachtungsmöglichkeiten.
Dennoch genieße ich den Weg total. Ich
bin völlig alleine und habe nur die Geräusche des Dschungels um
mich herum. Mal sehe ich ein Eichhörnchen, mal höre ich nur die
Grillen und Vögel. Als ich gerade Pause mache und was trinke,
entdeckte ich einen etwas taubengroßen, orange-roten Vogel mit
schwarzem Kopf und schwarz- weißen Schwanzfedern. Ein solches rot
habe ich bisher nur bei den Aras in Südamerika gesehen und daher
sticht er aus dem grün-braun auch sehr farbenfroh heraus. Die Vögel,
die ich später noch entdecken kann, tragen alle eher die gedeckten
Farben des Dschungels (grau, schwarz, grün, braun).
Interessant ist auch, als eine Echse
meinen Weg kreuzt: rostrotfarben: auf beiden Hinterbeinen, mit
weiß-rot geringeltem Schwanz schießt sie an mir vorbei (für
Interessierte: Gonocephalus liogaster)..Heute war mehr der Tag der
kleinen Tiere: eine knallblaue Libelle (Orthetrum glaucum), ein
seeeeehr großer Tausendfüßler (Thyropygus sp.- übrigens meint
Nicolas (siehe unten), dass mich viell. ein Tausendfüßler am Bein
erwischt hätte, da Borneo eigentlich nicht wirklich giftige Spinnen
hätte...aber wie DER in das Hotelzimmer gekommen sein soll?? Es wird
eines der ungelösten Geheimnisse bleiben :-)). Auch weiß ich nun,
dass die Rafflesia, die ich in Poring gesehen habe, eine „Rafflesia
keithi“ war. Ist schon ziemlich cool, mal jemanden kennenzulernen,
der ein solches Buch, in dem man selbst dann alle „Schlauheiten“
nachschlagen kann, geschrieben hat..
Laut Dominic- dem einen Ranger- hat
hier vor ein paar Jahren ein Hamburger Student (
http://www.postart.info/asia/natur/frogs.htm)
den kleinesten Frosch der Welt entdeckt. Er „lebt“ diversen
Kannenpflanzen. Überhaupt kann man hier- soweit zur Theorie- über
1/3 aller Froscharten (150) von Borneo beobachten. Beste Zeit ist ca.
1 Stunde nach Sonnenuntergang. Somit werde ich mich dann heute Abend
noch mal für ca. 20 Uhr an die entsprechende Stelle begeben.
Auch sehe ich unterwegs wieder super
viele Schmetterlinge, die sich tanzend-schaukelnd ihren Weg
suchen..Als ich schließlich nach 3 Stunden am Aussichtspunkt
ankomme, ist die Aussicht zwar nicht berauschend (da viele Wolken),
dafür aber die Atmosphäre sehr schön..
Nachdem ich bereits gegen 14:40 Uhr
wieder zurück im Hostel bin und noch meinen Schlüssel abhole, bin
ich grade mal froh, heute nicht so spät dran zu sein. So kann ich
mir in Ruhe meine Instand- Nudeln (hi,hi) „kochen“ und noch etwas
relaxen, bevor es heute Abend gegen 20 Uhr wieder los geht (für den
Beobachtungsplatz muss man auch erst mal ca. 900m bergauf laufen).
Interessanterweise ist mein
Zimmernachbar so etwas wie studierter Biologe und was auch
interessant ist: er hat ein Artbestimmungsbuch dabei..und zwar eins,
das er selbst herausgegeben hat. Daher stammen alle o.g. lat.
Bezeichnungen von Nicola Messina.
Er arbeitet hier auch als Guide; wobei
seine Haupteinnahmequelle in der Herausgabe von Büchern liegt. Wie
sein Name schon richtig verrät, ist Nicola Messina- Italiener.
Mit der Anwesenheit „eines
Fachkundigen“ hat die Froschbeobachtung im Dunkeln gleich doppelt
Spaß gemacht :-). Und wahrscheinlich hätte ich ohne sein
fachkundiges Auge, auch nur einen Teil der Tiere überhaupt
entdeckt..
Nach über einer Stunde Frösche suchen
und beobachten, machen wir uns auf den Rückweg. Jetzt nur noch unter
die kalte Dusche und ab ins Bett. Ist schon wieder fast 23 Uhr..
| Gipfel des Gunung Serapi |
| auch hier wieder Farne, die ich so gerne mag (ja Torsten--auch zu mir sprechen sie immer wieder ;-)).. |
| Orchidee mit kl. Mitbewohner |
| schön anzusehende Palmen.. |
| Orthetrum glaucum |
| "meine Gipfelaussicht" :-) |
| weitere Gipfelaussicht.. |
| Frösche, Frösche, Frösche.. |
| Polypedates otilophus |
| zur Abwechslung mal ein Gecko |
Am nächsten Morgen klingel mein Wecker
gegen 7 Uhr. Ich will bereits gegen 8Uhr schon wieder auf dem
nächsten Wanderweg sein, da ich heute Mittag bereits um 15 Uhr
wieder an der Bushaltestelle stehen muss, um meinen Bus nach Kuching
zu erwischen (planmäßige Abfahrt 15:30 Uhr: über das „Zeitproblem“
bei den Bussen hatte ich ja schon ausführlich berichtet :-)..).
Heute Morgen möchte ich zum Wasserfall laufen und im Anschluss den
Selang Trail laufen. Der Belian Trail mit den Eisenholz- Bäumen
(eine auf Borneo beschränkte Baumart, welche ein extrem hartes,
haltbares Holz besitzt) ist leider auch gesperrt.
Nachdem ich gepackt habe und Nicolas
noch einen „Abschiedszettel“ hinterlassen habe, verlasse ich das
Hostel und bringe meine Tasche ins Headoffice. Auch diese Unterkunft
im Nationalpark ist sehr einfach gestaltet- aber für ein paar Tage
kann man hier gut unterkommen. Das einzig Schwierige ist die
Verpflegung. Die nächste „Einkaufsmöglichkeit“ ist 3 Kilometer
entfernt und das Wasser muss vor dem Trinken abgekocht werden. Aber
selbst danach schmeckt es nicht Besonders. Außerdem kann man sich an
kleinen Zimmernachbarn erfreuen (Schaben und Kakerlaken), von welchen
eine so dreist war und dachte, sich in meiner Tasche einquartieren zu
können..Tja- falsch gedacht: habe alles, bevor ich gepackt habe,
noch einmal einer gründlichen Inspektion unterzogen, da ich
irgendwie kein Interesse daran hatte, ein solch nettes Tierchen in
meinem Gepäck zu befördern..:-)
Aber dennoch ist der Park absolut
empfehlenswert. Ich jedenfalls, habe meinen Aufenthalt dort absolut
genossen.
Aber nun weiter im Text:
Zunächst bin ich wieder ganz allein
mit meiner immergrünen Umgebung. Nur der Gesang der Vögel und das
Gezeter der Eichhörnchen (mir war bisher gar nicht so klar, dass
diese kleinen Gesellen so einen Aufruhr veranstalten können)
begleiten mich.
Als ich schließlich fast am Wasserfall
angelangt bin, erreicht mich auch ein junges, deutsches Päärchen
und kurz darauf noch Marcel (ein Mitte 50ig jähriger Mann aus
Belgien).
Letzterer schießt wohl auch ein recht
lustiges Foto von mir. Denn einer der riesigen Schmetterlinge hat
beschlossen, meinen Kopf als Landeplatz zu benutzen und richtet sich
dort dann auch mal häuslich ein :-). Marcel hat versprochen, das
Foto mir demnächst zukommen zu lassen..
Von dort aus gehe ich wieder zurück
und mache nochmals bei den Nestern der stachellosen Bienen halt. Wer
sich erinnert: wir hatten im Wari Wari Village den Honig dieser
kleinen Krabbler probiert- sehr lecker. Auch sehe ich hier ein sehr
interessant aussehendes Eichhörnchen: relativ groß mit einem
knallroten Schwanz, der aussieht wie eine Flaschenbürste..
Auch hier muss man echt immer auf seine
Füße achten, da desöfteren zentimeterdicke Ameisenstraßen den Weg
kreuzen..Ich würde wirklich gerne mal wissen, wie viele verschiedene
Arten Ameisen es hier gibt. Von klein bis zu einer Größe von gut
und gerne 2 ½ cm und in unterschiedlichen Farben..
Für meinen nächsten Weg benutze ich
den Anfang des Rayu Trails (der angeblich wegen der Orang- Utans
gesperrt ist), bis zur Gabelung zum Selang Trail. Der Rayu Trail wird
übrigens auch, so konnte ich mich bei Stefan Loose schlau machen,
auch „Trail of Hope“ genannt, da Forscher hier ein pflanzliches
Aids- Medikament entdeckt haben.
Unterwegs komme ich dann mit dem
deutschen Päärchen (Kassel/Freiburg) und Marcel aus Belgien näher
ins Gespräch. Sri Lanka scheint der Reisetipp der nächsten Jahre zu
sein..und Marcel will mir auch noch eine E-Mail schreiben, von
Reisezielen, welche er als besonders lohnenswert empfand. Tja- ich
würde mal sagen: Gott sei Dank, dass ich noch so jung bin und noch
genug Zeit habe, das alles zu entdecken :-).
Übrigens habe ich es geschafft- wohl
als Einzigste (von allen Leuten, mit denen ich gesprochen habe,
welche diesen Weg gelaufen sind) einen Blutegel „zu finden“. Also
dafür hätte ich wohl wahrlich einen Preis verdient :-)..War aber
noch rechtzeitig, denn ich habe die Bewegung am Fuß gespürt und ihn
gleich eliminiert :-). Danach habe ich mich dann komplett verpackt--
was bei bei über 30 °C nicht gerade angenehm war- aber lieber
schwitzen als Blutegel. Soweit jedenfalls meine Entscheidung..Nicolas
sieht das wohl Anders. Er hat in seinem Buch schöne Bilder von sich
selbst: mit Blutegel auf der Brust und dem „Blutsturz“, nachdem
er sie entfernt hat..Und er hat mir allen Ernstes erzählt, dass er
Blutegel mag????
Also- bis zu diesem Zeitpunkt war ich
der festen Überzeugung, dass die Viecher wirklich keiner mögen
kann..Aber- wie so oft wird man auf Reisen eines Besseren belehrt..
Jedenfalls ist auch dieser Weg ein
schöner Weg durch den Wald und bevor ich zum Headquarter gelange,
kann man noch eine Runde entlang des Palmenweges drehen. Hier im Park
gibt es 95 verschiedene Palmarten; wobei 18 als endemisch registriert
sind.
So habe ich z.B. Bilder von der
Johannesteijsmannia aitifrans und der Licuala orbicularis gemacht.
Letztere ist endemisch für Sarawak.
So gegen 14.10 Uhr komme ich dann ans
Headquarter und hätte somit noch eine gute ¾ Stunde Zeit, bis der
Bus vielleicht kommt...Vielleicht kommt er auch gegen 15:30 Uhr..
Als ich mich gerade mit der netten Dame
(sie bietet mir auch einen für Sarawak typischen Snack an: ein in
Fett ausgebackenes Teigstück mit Erdnüssen und gesalzenem kleinen,
kompletten Fisch) hinter dem Empfang unterhalte, die mein Gepäck
netterweise verwahrt hat, kommt ein junges einheimisches Päärchen
vorbei, welchen ich schon auf dem Wasserfallweg begegnet bin.
Auch ich mache mich dann mal auf den
Weg zur Bushaltestelle, da ich genauso gut dort sitzen kann wie hier.
Kurz darauf sehe ich die Beiden in einen Wagen steigen und denke mir
spontan: „Naja- fragen kostet ja nichts..“. Und siehe da:
Frechheit siegt- wie so oft und ich bekomme eine kostenlose und
direkte Autofahrt nach Kuching spendiert.
Unterwegs unterhalte ich mich mit den
Beiden noch nett, bekomme Ginger Beer (gar nicht mein Fall) und bin
innerhalb von 25 Minuten am Ziel. So haben die Beiden mir eine gute
Stunde Zeit gespart- die ich gut gebrauchen kann, denn heue will ich
schnell noch Wäsche waschen gehen (habe hier einen Selfservice-
Waschsalon gefunden) und kann sie so über Nacht trocknen lassen..
Als ich in der Woija Lodge ankomme, ist
es fast wie „heimkommen“ :-), da ich wieder „mein“ Zimmer
Nummer 7 bekomme.
Schnell lade ich meine Sachen ab,
springe unter die Dusche und packe dann meine Wäsche.
Auf dem Weg nach draußen, treffe ich
Martin wieder (der junge Mann aus der Tschechei) und wir gehen
gemeinsam zur Wäscherei. Die Maschine braucht nur eine knappe halbe
Stunde (ob da alles sauber wird??) und ich nutze die Zeit, um ein
paar Bilder der Katzenstatuen und der chinesischem Tempel in der
Umgebung zu schießen.
Als ich dann später in der Woija Lodge
meine Sachen aufhänge, wundert es mich nicht, dass meine Hosen,
welche ich in Kinabatangan für die „Schlammschlacht“ mit den
Elefanten anhatten, nicht wirklich sauber sind..Okay- dann seh ich
halt weiterhin aus, als käme ich vom Bau :-)..
Für heute habe ich mir nicht mehr viel
vorgenommen: nur noch Bilder, Blog schreiben und mit Martin bin ich
für den Sonnenuntergang an der Waterfront verabredet. Dieser war
auch recht nett- der kurz darauf einsetzende Regen- weniger. Wir
wurden dann doch etwas „gewaschen“ :-)..Bei dieser Gelegenheit
hat mich Martin gefragt, für wie lange ich plane, das nächste Mal
in Deutschland zu bleiben..Zuerst war ich etwas irritiert über die
Frage, aber dann dachte ich mir: „Ja klar, die meisten
„Langzeitreisenden“ haben entweder bereits „alle Brücken
gebrochen oder für sie ist unterwegs schon klar, dass es nur einen
Stopp im Heimatland gibt zum Geldverdienen, oder wie bei Martin, der
sich nun zum Dive- und Skydivemaster ausbilden lassen und dann
überall arbeiten kann..
Tja, bei mir wird der nächste
Deutschlandaufenthalt dann doch eher auf Dauer angelegt sein :-)..
Übrigens bin ich mit Astrid (wenn sich
jemand erinnert: die Österreicherin, welche ich in Quito getroffen
habe), weiter in E-Mail Kontakt. Sie ist zur Zeit auf den
Phillipinen..Und hatte dort auch gleich eine „geniale Story“ in
Petto..
Sie traf nämlich auf dem Hinflug ein
Päärchen...Nachdem sie ins Gespräch gekommen sind, schlug
Letzteres vor, dass Astrid doch einfach ihre Touren organisieren
solle und sie dafür alles bezahlen. Zuerst wollte sie es nicht
annehmen, aber dann ließen sie sie einfach nichts bezahlen. Sogar
eine SIM- Karte samt Guthaben, haben sie ihr spendiert..Manchmal
passieren wahrlich lustige Dinge..
So, morgen geht es dann für mich
wieder zurück nach Kota Kinabalu..Mann oh Mann- das ist selbst für
mich Rekord: 5 Flüge in 15 Tagen...
In meinem nächsten Leben werde ich-
außer Millionär- bestimmt Pilot ;-P..
| besagtes Eichhörnchen mit dem knallroten Schwanz |
| Johannesteijsmannia altifrons |
| ein farbenfrohes Gebäude in Kuching |
| für Sarawak endemisch: licuala orbicularis |
| einer der chinesischen Tempel |
| eine kleine Auswahl der Katzenstatuen in Kuching |
| Sonnenuntergang auf dem Sungai Sarawak |
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