Nach der ersten schweren Geburt mit dem heißen Wasser am ersten
Tag und auch gestern (weil wieder jemand anderes da war), hat es
heute problemlos geklappt- ich hatte meinen Kaffee vor Abfahrt. Nicht
geklappt hat allerdings der Pickup der Busgesellschaft, aber da das
Hotel für Abhilfe sorgte und mich samt Mopedfahrer an die
Bushaltestelle sandte, wo der sich dann die Kohle (für seinen
Transport) vom Busschalter holte, war das mal nicht mein Problem. Wir
kamen dann auch ca. 20 Minuten verspätet los und ich war- mal wieder
positiv überrascht, dass der Bus doch recht o.k. war. Im Reiseführer
stand nämlich zu dieser Gesellschaft: kein Luxus, aber angemessene
Preise. Also- ich kann nur sagen: wir hatten eine Klimaanlage, ein
Fernseher (in dem sie nur Schrott zeigten: entweder Filmen, in denen
so viel Blut floss, dass 80 % der Zeit der Bildschirm blutrot war
oder Filme, die so übertrieben dämlich waren, dass man echt die
Ohren auf Durchzug stellen musste, um es nicht an die Nerven zu
bekommen- und noch dazu in einer Lautstärke: EIN TRAUM!) und für
mich recht bequeme Sitze. Also alles in allem: echt o.k.. Als
Alternative hätte es noch den doppelt so teueren VIP-Bus mit WIFI an
Bord gegeben. Wer braucht das Bitteschön beim Busfahren? Auch hier
bin ich mal wieder total froh über meinen Pacsafe. Es ist so
angenehm, nicht mein Netbook und alles ständig in den Pausen mit mir
rumschleppen zu müssen. Ich verschließe ihn einfach am Stahlfuß
des Sitzes und man müsste dann schon mit der Eisenzange ran, um ihn
mitzunehmen. Klar ist das kein 100 %iger Schutz, aber ein schnelles
„Entfernen“ oder einfach Mitnehmen, unterbindet er definitiv.
Ich befinde mich in einem absolut lokalen Bus. Hier gibt es keine
Touris- nur Einheimische und selbst in dem großen Bus, werden wie in
den Minibussen, die kleinen Stühlchen in den Gang gestellt, wenn man
doch noch den einen oder anderen Passagier mehr in den Bus bekommen
möchte..Habe heute Morgen gesehen, wie dreckig der Laderaum ist-
freue mich schon auf den Anblick meines Rucksacks :-(..(ihr erinnert
Euch, dass der Reisverschluss kaputt ist und es wäre mir jetzt zu
viel Akt gewesen für die Fahrt alles mit Sicherheitsnadeln zu
fixieren).
Mein Sitznachbar spricht leider kein Wort englisch und trägt auch
die ganze Zeit seinen Mundschutz. Das ist hier so gängig, dass sich
mir manchmal schmunzelnd die Frage aufdrängt, ob die Leute hiermit
geboren werden. Die offizielle Variante ist- als Schutz vor der Sonne
und Verhinderung weiterer Bräunung. Manche zusätzlich wegen der
abgasverpesteten Luft in der Stadt oder beim Moped fahren. Warum man
den Mundschutz aber die ganze Zeit auch im Bus mit Klima und Schatten
anhaben muss, wird ein weiteres Rätsel bleiben.
Unterwegs sind die ganze Zeit die typischen Khmerhäuser mit den
hohen Stelzen zu sehen. Sie unterscheiden sich nur in den verwendeten
Materialien. Manche Pfeiler sind schon aus Beton, andere aus Holz.
Auch die Hütten sind aus Stein, Beton, Wellblech oder Holz. Wie
überall kommt es wohl auch hier auf das Kleingeld an, das man zur
Verfügung hat, um sich seine eigenen vier Wände zu realisieren.
Aber noch ein ganz anderes Thema zwischendurch: auch das geteilte
Deutschland ist immer noch ein Thema in den Gedanken der Menschen.
Ich habe sehr oft die Frage gestellt bekommen, ob ich nun aus dem
Westen oder Osten Deutschlands käme. Interessant deshalb für mich,
da die Wiedervereinigung nun schon weit über 20 Jahre her ist und
die nächste Generation sich schon gar nicht mehr aktiv daran
erinnert, dass es ein geteiltes Deutschland gab und es nur aus
Geschichtsbüchern und Erzählungen der älteren Generationen kennt.
Spannend für mich, welches Bild Deutschland in anderen Staaten nach
außen hin abgibt...
Als ich mit einer Stunde Verspätung in Siem Reap am Busbahnhof ankomme, wird
unser Bus gleich traubenartig von Tuk Tukfahrern und Mopeds umringt,
die „ihren Transportservice“ an den Mann bringen wollen. Mit
entschlossener Hartnäckigkeit gelingt es mir, sie abzuschütteln.
Auf Gespräche wie „hier gibt es keinen Abholservice“..höre ich
gar nicht; fehlt nur noch, dass sie mir weiß machen wollen, dass
mein Hostel voll gebucht ist :-). Ohren auf Durchzug ist das Einzige,
was hilft...Fakt ist aber auch- nachdem ich den ganzen Busbahnhof
abgelatscht bin, dass mein Transportservice nicht da ist..
Glücklicherweise habe ich noch ein paar Dong auf meinem Handy und
kann so beim Hostel anrufen. Im Nachhinein stellt sich heraus, dass
der Tuk Tukfahrer an der Haltestelle war; ihm die dortigen Tuk Tuk
Fahrer aber gesagt hatten, dass „mein Bus“ dort nicht halten
werde..so dass er auf der Suche nach mir bei der anderen Haltestelle
war..
Schließlich hatte ich es dann aber doch gegen halb vier ins
Hostel geschafft und mich dann gleich auf den Weg gemacht, nach
Weiterreisealternativen ab dem 25./26. zu suchen. Dies hat sich als
ausgesprochen schwierig herausgestellt. So sollte der Besuch des
Vogelreservats 125 USD kosten für ein paar Stunden; ein anderer
Anbieter hat die Tour wegen Niedrigwasser gar nicht erst angeboten
oder- man wollte mir weißmachen, dass es kein langsames Boot nach
Battambang gibt (wollte ja nur nach Battambang, weil mir mehrfach
empfohlen wurde die 10 stündige Schifffahrt zu machen, weil diese
landschaftlich sehr schön sein soll..). Als ich dann schließlich
eine Agentur fand, die das Boot buchen würde, wurde mir dort gesagt,
dass sich das spontan entscheiden würde, ob genug Gäste die Tour
buchen würden; wenn nicht: kein Boot. Außerdem konnte ich auch nach
langer Suche herausfinden, dass der „letzte“ Minibus bereits
morgens um 10:30 Uhr Battambang verlässt, um zurück nach Siem Reap
zu fahren..Also, alles in allem ein ziemlicher Akt.
Was die Tagestouren betrifft, so konnte ich mich für nichts
Erwärmen. Das sah einfach alles total nach Touristenmasche
aus..Also, nichts Authentisches..Und darauf kann ich auch verzichten.
Puh, war das wieder anstrengend, wenn man versucht, das was man möchte, umzusetzen und sich dann von einer Agentur zur nächsten die Hacken abläuft- ohne zählbares Ergebnis am Ende..:-(
Als ich schließlich nach dem Essen zurück zum Hostel laufe,
werde ich mehrfach von ca. 8-9 jährigen Kindern bedrängt, ihnen
Essen zu kaufen. Den 2. stelle ich auf die Probe und stimme zu, ihm,
wie er wollte, Milch zu kaufen. ALLERDINGS zu MEINEN BEDINGUNGEN:
nämlich, dass er draußen wartet, ich in den Supermarkt gehe und ihm
Milch kaufe..Da wird der Kleine aufmüpfig und verlangt mitzugehen,
und MIR zu sagen, WELCHES Produkt ich kaufen soll usw..Okay- damit
war die Sache dann für mich gelaufen und ich brauche kein schlechtes
Gewissen zu haben, dass ich einem bedürftigen Kind nicht mit Essen
geholfen habe (Geld gebe ich grundsätzlich nicht an Kinder; es ist
wichtiger, diese Kinder in die Schule zu bringen, als sie positiv
darin zu bestärken, mit Betteln Geld verdienen zu können).
Als ich ihm dann mitteile, dass ich aufgrund der Situation nun
nicht mehr bereit bin, ihm Essen zu kaufen, wird der Kleine rotzfrech
und bedeckt mich mit auswendig gelernten englischen Schimpfwörtern.
Ich ignoriere ihn dann einfach und das macht ihn letztendlich so
zornig, dass er ganz die Fassung verliert und mir einen Schubser
gibt, bevor er geht. Darüber konnte ich dann wiederum nur milde
lächeln. Der Knirbs ging mir gerade mit dem Kopf bis zum Oberkörper.
Nervig ist es trotzdem. Ich konnte auch gut erkennen, dass sie
sich immer gezielt, allein laufende Personen herausgesucht haben..
Tja- überall wo es Licht gibt, gibt es auch Schatten..
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