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Montag, 29. April 2013

Der große Zirkel- 6 Tempel in rund 9 Stunden-24.04.2013

Als es heute Morgen mit dem Tuk Tuk los ging, brannte bereits um 8 Uhr am Morgen die Sonne hernieder. Sehr angenehm daher, unter einem schattigen Dach zu sitzen :-).
Jedes Mal, wenn man die Ticketkontrolle passiert, kommt man ins Staunen, wenn man die mächtigen Bauwerke sieht, die sich da gegen den Himmel abheben.
Mein erster Tempel des Tages ist Pre Rup, der wörtlich übersetzt „Wenden des Körpers“ bedeutet, was als Hinweis auf ein Verbrennungsritual zu verstehen ist. Der um 962 Shiva geweihte Staatstempel Rajendravarmans II besteht vorwiegend aus Laterit und Ziegelstein, was dazu führt, dass der Tempel eine unheimliche Wärme abstrahlt. Alle Aufgänge zu dem pyramidenartigen Gebilde, werden von Löwen bewacht, deren Gesichter aber fast alle nicht mehr wirklich erhalten sind..
Schön an diesem Tempel war, dass ich mich anfangs fast alleine innerhalb der Tempelmauern befand und daher die Stille und die Mhystik dieses Gebäudes wirklich auf mich wirken lassen konnte. Beeindruckend, welche Erhabenheit der Tempel immer noch ausstrahlt. Von hier aus hatten wir dann etwa 20 km zu dem etwas abseits liegenden Tempel Banteay Srei zurückzulegen.
Dieser Mehraufwand war es aber wert :-). Erstens fand ich es sehr spannend, dass auf dem Gelände der Tempelanlagen so viele Dörfer stehen und Menschen leben und zweitens, ist dieser Tempel schon sehr speziell. Aufgrund dessen, dass es hier so viele Tempel gibt muss ich nicht mehr länger darüber nachdenken, wie man denn am besten eine Wochenkarte nutzt. Jeder König ließ möglichst viele und möglichst noch imposantere Gebäude errichten als sein Vorgänger- um seine Macht zu demonstrieren.
Banteay Srei wurde auch aus Standstein erbaut. Dieses Material wurde aus der Umgebung mit Elefanten herbeigeschafft. Die Steinverzierungen sind wirklich sehr imposant und laut meinem Reiseführer übertreffen sie alle anderen Monumente Angkors (also, von dem, was ich in den 2 Tagen gesehen habe, kann ich das voll und ganz bestätigen). Erwähnenswert ist hier auch, dass dieser Tempelkomplex nur aus einer Ebene besteht und daher recht klein wirkt.
Die noch vorhandenen Durchgänge sind für Menschen meiner Größenordnung geschaffen. Ich kann mich gerade noch gerade aufrichten und von einem vorbeilaufenden Guide kann ich aufschnappen, dass die Menschen damals so ca. 1,65 m groß waren..Na also: passt ja dann:-)!
Besonderheit hier ist, dass dieser Tempel nicht von einem König, sondern von zwei lokalen Würdenträgern errichtet wurde. Dabei erteilte Ihnen König Rajendravarman II, nachdem er ihnen das Land übertragen hatte, die Erlaubnis zum Bau.. Zwar wurde das Heiligtum bereits 967 Shiva geweiht- die Fertigstellung allerdings erfolgte erst unter König Jayavarman V. In den 30iger Jahren wurde dieser Tempel restauriert.
Auch über diesem Gelände liegt das Gefühl der Erhabenheit. Leider wird dieses Gefühl etwas durch „Technomusik“ im Hintergrund (?) gestört??!! Ich habe keine Ahnung, wo die Musik her kam, da der Tempel von Bäumen eingerahmt ist, aber auf mich wirkte das sehr befremdlich. Überall rund um den Tempel bieten Frauen Ananas oder Mango an. Anstrengend sind vorallem die Kinder, die einem auf Schritt und Tritt folgen und einem Postkarten, Kühlschrankmagnete oder Armbänder verkaufen wollen. Permanent und überall hallen: „Only one Dollar“- Rufe übers Gelände..Oder „I need money for school..“ Es ist nicht schwer sich auszumalen, wie es von Tempel zu Tempel anstrengender wird, die Kids abzuschütteln. Sie tuen mir ja leid, aber man kann ja auch nicht bei jedem was kaufen..Nach dem 4 Tempel lasse ich mich erweichen und kaufe halt ein Stapel Postkarten- die ich nie verschicken werde. Mit dem Ergebnis, dass ich mir eine Grundsatzdiskussion mit einem kleinen Kind antuen muss, dass sich beschwert, warum ich es denn abgelehnt hätte, am Eingang bei ihr zu kaufen und nun hätte ich die gleichen Waren bei einem anderen kleinen Mädchen gekauft...Puh- ich kann Euch sagen..! So hat man jetzt einem Kind (ob das Geld nun wirklich zur Unterstützung der Schulkosten ist, sei mal dahingestellt) eine Freude gemacht; dafür sind jetzt alle anderen enttäuscht..Ich weiß jedenfalls danach: keine weiteren Käufe mehr für mich! Auch Bücher (und alle die Gleichen) über Angkor werden hier vor jedem Tempel von mindestens 6-7 Verkäufern gleichzeitig verkauft...Es ist so ein bisschen wie mit den Tuk Tuk Fahrern: so leid man es als Tourist ist- nach dem gefühlt 100ersten Mal: No need transport!..so blöd ist es für die Buchverkäufer/Tuk Tuk Fahrer den ganzen Tag das Gleiche zu leihern und einfach keine Kunden abzubekommen. Der Besucherstrom ist um diese Zeit des Jahres bereits schon sehr abgeschwächt, so dass der Überlebenskampf noch schwieriger wird, als er ohnehin schon ist..
Aber zurück zu Banteay Srei: alles, was einem ins Auge fällt, ist von Verzierungen bedeckt, so dass man nur noch staunend von Einer zur Nächsten läuft. Umso erstaunlicher ist für mich, dass es extra Schilder gibt, die darauf hinweisen, dass man nicht auf die Verzierungen (die sich zum Teil auch auf etwas erhöhten Bodenplatten befinden) treten soll..Nachdem ich aber nur wenige Stunden hier verbracht habe: wundert mich gar nichts mehr! Muss mal wieder feststellen, wie wenige Menschen es zu geben scheint, die es gelernt haben, solche Bauwerke mit Respekt zu behandeln. Auf die völlig selbstverliebten Asiaten komme ich später noch mal zurück..
Auf dem Weg zum nächsten Tempel, sind die Straßen von Frauen gesäumt, die alle Bonbons aus Zuckerrohr verkaufen; vereinzelt auch die Früchte von den dort wachsenden Palmyrapalmen. Die Bonbons schmecken wie karamellisierter Honig und die Früchte der Palmen haben keinen wirklichen Eigengeschmack. Sie sind nur erfrischend, da sich in der Mitte der Frucht, die von der Farbe an Litschis erinnert, ein kleines Wasserreservoir befindet.
Tempel Nr. 3 des heutigen Tages ist der Östlicher Mebon. 953 wurde der Tempel unter Rajendravarman II zu Ehren der Eltern des Königs errichtet und letztendlich Shiva geweiht. Ursprünglich war der Standort des Tempels eine Insel, welche nur mit Booten zu erreichen war. Der See ist inzwischen ausgetrocknet. Interessant (und, die habe ich nur hier gesehen) und auffällig sind die fast lebensgroßen Elefantenfiguren, die Blick nach außen, hier die Funktion von Wächterfiguren erfüllen. Auch hier ist nicht viel los. Ich habe mir anscheinend wirklich eine gute Zeit zum Besuch der Tempelanlagen ausgesucht. Hatte mit weit mehr Menschen gerechnet.
Von hier setzen wir die Route nach Ta Som fort. Ta Som wurde im 12 Jh. von Jayavarman VII. errichtet und dessen Vater gewidmet. Auch dieser Tempel ist buddhistischen Ursprungs.
Leider ist der Verfall dieses Tempels schon sehr fortgeschritten.
Vorletzter Tempel ist Neak Pean . Um zu diesem Tempel zu gelangen, läuft man über Holzstege durch eine Seen-/Mangrovenlandschaft bis man schließlich vor der Tempelanlage ankommt. Die darf nicht betreten werden- was durch einen Zaun mit Wärter entsprechend deutlich gemacht wird :-). Der Name des Tempels bedeutet ursprünglich wörtlich „sich ineinander windende Schlangen“) und ist noch immer größtenteils von Wasser umgeben. Selbst Fachleute streiten über die Symbolik: in der gängigsten Theorie stellt Neak Pean eine Repräsentation des mythischen Himalaya-Sees Anavatapa dar, dessen Wasser wundersame Heilkraft nachgesagt wird.
Von weitem ist auch die Statue eines Pferdes zu sehen. Der Legende nach, verwandelte sich Lokesvara in das Pferd Balaha, um gestrandete Kaufleute zu retten, die auf einer Insel vor Sri Lanka von einer Dämonin bedroht wurden.
Als wir dann gegen 14:30 Uhr zum letzten Tempel kommen, muss ich sagen, hätte ich nach diesem, keinen weiteren mehr besuchen wollen. Der Kopf ist so voll mit Eindrücken. Dann läuft man bei fast 40 °C in der Sonne herum und irgendwann ist der Kanal auch wirklich einmal voll :-).
Dadurch, dass dieser Tempel größtenteils vom Dschungel überwuchert ist, umgibt ihn ein besonderer Zauber. Die Anlage selbst ist vergleichsweise groß. Errichtet an der früheren Königsstadt Jayasri, lebte der Herrscher dort während des Wiederaufbaus von Angkor Thom.
Der Legende nach, soll ein heiliges Schwert (Übersetzung des Tempelnamens) in einer Zeremonie an seinen Nachfolger überreicht worden sein. Es heißt, dass die Kambodschaner bis heute glauben, dass der Besitzer dieses Schwertes rechtmäßigen Anspruch auf den Thron haben. Eine Replik im Königspalast von Phnom Penh aufbewahrt. In früheren Zeiten diente der Tempel auch als Kloster und Universität. Manchmal waren hier fast 100 000 Menschen beschäftigt, so dass täglich tonnenweise Reis angeliefert werden musste, um all die hungrigen Mäuler stopfen zu können. 1191 wurde Preah Khan als multireligiöser Tempel geweiht, in dem Gläubige neben Shiva, Vishnu und Buddha noch weitere 282 Götter verehren konnten. Es ist fast ein bisschen wie in einem Märchen zwischen den verfallenen Gebäuden und den ganzen mächtigen Bäumen einher zu streifen und sich vorzustellen, wie geschäftig es hier wohl zu Lebzeiten des Königs zugegangen ist :-)?!
Gegen 17 Uhr bin ich dann wieder zurück im Angkor Wonder Hostel. Zum Essen gehe ich heute in die Pubstreet, wo ich auf einen ganz interessanten Kauz treffe: einen Dänen, der nun schon seit 40 Jahren in der Weltgeschichte herumreist.
Ich liebe solche Lebensstories :-)..Immer sehr spannend, sich mit solchen Leuten auszutauschen.
Gegen halb acht bin ich dann wieder zurück im Zimmer und bei dem Gedanken, dass ich nun eigentlich noch fast 140 Bilder bearbeiten und mein Tagebuch schreiben müsste, muss ich mir leider eingestehen, dass das sicher heute nichts mehr wird (geschätzte Dauer: rund 5-6 Stunden), denn morgen um 4 Uhr rappelt schon wieder mein Wecker. Auschecken und bereits zum Sonnenaufgang nach Angkor fahren, um den besonderen Zauber und die Kraft dieses Ortes bei den ersten Sonnenstrahlen erleben zu können..
(die Beschreibung der Tempel habe ich größtenteils aus dem Buch: Südostasien- Die Mekong- Region, 4. Auflage von Stefan Loose und aus meiner Erinnerung der Schautafeln zusammengeschrieben)
Pre Rup

kleine Details am Pre Rup

...wenn einem mal wieder der Tank leer wird..kein Thema: gibt ja überall Glasflaschen mit Sprit :-)..

interessante Gefährte unterwegs..

Banteay Srei

perfekte Größe :-)

Banteay Srei

Banteay Srei

Banteay Srei

wie ich traurigerweise erleben musste, gibt es Menschen, die diese Schilder nötig haben, um zu wissen, wie man sich zu benehmen hat..:-(

die Rohmasse der Zuckerbonbons

eine der vielen Verkäuferinnen am Straßenrand

besagte Früchte der Palmyrapalme

Östlicher Mebon

Östlicher Mebon

Östlicher Mebon

Östlicher Mebon

Ta Som

Ta Som

Ta Som

schöne Umgebung des Neak Pean

Neak Pean

Preah Khan

Preah Khan

Preah Khan

immer wieder gern gesehen ;-): alltägliches Bild auf den Straßen Kambodschas..



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