Als es heute Morgen mit dem Tuk Tuk los ging, brannte bereits um 8
Uhr am Morgen die Sonne hernieder. Sehr angenehm daher, unter einem
schattigen Dach zu sitzen :-).
Jedes Mal, wenn man die Ticketkontrolle passiert, kommt man ins
Staunen, wenn man die mächtigen Bauwerke sieht, die sich da gegen
den Himmel abheben.
Mein erster Tempel des Tages ist
Pre Rup, der wörtlich übersetzt
„Wenden des Körpers“ bedeutet, was als Hinweis auf ein
Verbrennungsritual zu verstehen ist. Der um 962 Shiva geweihte
Staatstempel Rajendravarmans II besteht vorwiegend aus Laterit und
Ziegelstein, was dazu führt, dass der Tempel eine unheimliche Wärme
abstrahlt. Alle Aufgänge zu dem pyramidenartigen Gebilde, werden von
Löwen bewacht, deren Gesichter aber fast alle nicht mehr wirklich
erhalten sind..
Schön an diesem Tempel war, dass ich mich anfangs fast alleine
innerhalb der Tempelmauern befand und daher die Stille und die
Mhystik dieses Gebäudes wirklich auf mich wirken lassen konnte.
Beeindruckend, welche Erhabenheit der Tempel immer noch ausstrahlt.
Von hier aus hatten wir dann etwa 20 km zu dem etwas abseits
liegenden Tempel
Banteay Srei zurückzulegen.
Dieser Mehraufwand war es aber wert :-). Erstens fand ich es sehr
spannend, dass auf dem Gelände der Tempelanlagen so viele Dörfer
stehen und Menschen leben und zweitens, ist dieser Tempel schon sehr
speziell. Aufgrund dessen, dass es hier so viele Tempel gibt muss ich
nicht mehr länger darüber nachdenken, wie man denn am besten eine
Wochenkarte nutzt. Jeder König ließ möglichst viele und möglichst
noch imposantere Gebäude errichten als sein Vorgänger- um seine
Macht zu demonstrieren.
Banteay Srei wurde auch aus Standstein erbaut. Dieses Material
wurde aus der Umgebung mit Elefanten herbeigeschafft. Die
Steinverzierungen sind wirklich sehr imposant und laut meinem
Reiseführer übertreffen sie alle anderen Monumente Angkors (also,
von dem, was ich in den 2 Tagen gesehen habe, kann ich das voll und
ganz bestätigen). Erwähnenswert ist hier auch, dass dieser
Tempelkomplex nur aus einer Ebene besteht und daher recht klein
wirkt.
Die noch vorhandenen Durchgänge sind für Menschen meiner
Größenordnung geschaffen. Ich kann mich gerade noch gerade
aufrichten und von einem vorbeilaufenden Guide kann ich aufschnappen,
dass die Menschen damals so ca. 1,65 m groß waren..Na also: passt ja
dann:-)!
Besonderheit hier ist, dass dieser Tempel nicht von einem König,
sondern von zwei lokalen Würdenträgern errichtet wurde. Dabei
erteilte Ihnen König Rajendravarman II, nachdem er ihnen das Land
übertragen hatte, die Erlaubnis zum Bau.. Zwar wurde das Heiligtum
bereits 967 Shiva geweiht- die Fertigstellung allerdings erfolgte
erst unter König Jayavarman V. In den 30iger Jahren wurde dieser
Tempel restauriert.
Auch über diesem Gelände liegt das Gefühl der Erhabenheit.
Leider wird dieses Gefühl etwas durch „Technomusik“ im
Hintergrund (?) gestört??!! Ich habe keine Ahnung, wo die Musik her
kam, da der Tempel von Bäumen eingerahmt ist, aber auf mich wirkte
das sehr befremdlich. Überall rund um den Tempel bieten Frauen
Ananas oder Mango an. Anstrengend sind vorallem die Kinder, die einem
auf Schritt und Tritt folgen und einem Postkarten, Kühlschrankmagnete
oder Armbänder verkaufen wollen. Permanent und überall hallen:
„Only one Dollar“- Rufe übers Gelände..Oder „I need money for
school..“ Es ist nicht schwer sich auszumalen, wie es von Tempel zu
Tempel anstrengender wird, die Kids abzuschütteln. Sie tuen mir ja
leid, aber man kann ja auch nicht bei jedem was kaufen..Nach dem 4
Tempel lasse ich mich erweichen und kaufe halt ein Stapel Postkarten-
die ich nie verschicken werde. Mit dem Ergebnis, dass ich mir eine
Grundsatzdiskussion mit einem kleinen Kind antuen muss, dass sich
beschwert, warum ich es denn abgelehnt hätte, am Eingang bei ihr zu
kaufen und nun hätte ich die gleichen Waren bei einem anderen
kleinen Mädchen gekauft...Puh- ich kann Euch sagen..! So hat man
jetzt einem Kind (ob das Geld nun wirklich zur Unterstützung der
Schulkosten ist, sei mal dahingestellt) eine Freude gemacht; dafür
sind jetzt alle anderen enttäuscht..Ich weiß jedenfalls danach:
keine weiteren Käufe mehr für mich! Auch Bücher (und alle die
Gleichen) über Angkor werden hier vor jedem Tempel von mindestens
6-7 Verkäufern gleichzeitig verkauft...Es ist so ein bisschen wie
mit den Tuk Tuk Fahrern: so leid man es als Tourist ist- nach dem
gefühlt 100ersten Mal: No need transport!..so blöd ist es für die
Buchverkäufer/Tuk Tuk Fahrer den ganzen Tag das Gleiche zu leihern
und einfach keine Kunden abzubekommen. Der Besucherstrom ist um diese
Zeit des Jahres bereits schon sehr abgeschwächt, so dass der
Überlebenskampf noch schwieriger wird, als er ohnehin schon ist..
Aber zurück zu Banteay Srei: alles, was einem ins Auge fällt,
ist von Verzierungen bedeckt, so dass man nur noch staunend von Einer
zur Nächsten läuft. Umso erstaunlicher ist für mich, dass es extra
Schilder gibt, die darauf hinweisen, dass man nicht auf die
Verzierungen (die sich zum Teil auch auf etwas erhöhten Bodenplatten
befinden) treten soll..Nachdem ich aber nur wenige Stunden hier
verbracht habe: wundert mich gar nichts mehr! Muss mal wieder
feststellen, wie wenige Menschen es zu geben scheint, die es gelernt
haben, solche Bauwerke mit Respekt zu behandeln. Auf die völlig
selbstverliebten Asiaten komme ich später noch mal zurück..
Auf dem Weg zum nächsten Tempel, sind die Straßen von Frauen
gesäumt, die alle Bonbons aus Zuckerrohr verkaufen; vereinzelt auch
die Früchte von den dort wachsenden
Palmyrapalmen. Die Bonbons schmecken
wie karamellisierter Honig und die Früchte der Palmen haben keinen
wirklichen Eigengeschmack. Sie sind nur erfrischend, da sich in der
Mitte der Frucht, die von der Farbe an Litschis erinnert, ein kleines
Wasserreservoir befindet.
Tempel Nr. 3 des heutigen Tages ist der
Östlicher Mebon. 953 wurde
der Tempel unter Rajendravarman II zu Ehren der Eltern des Königs
errichtet und letztendlich Shiva geweiht. Ursprünglich war der
Standort des Tempels eine Insel, welche nur mit Booten zu erreichen
war. Der See ist inzwischen ausgetrocknet. Interessant (und, die habe
ich nur hier gesehen) und auffällig sind die fast lebensgroßen
Elefantenfiguren, die Blick nach außen, hier die Funktion von
Wächterfiguren erfüllen. Auch hier ist nicht viel los. Ich habe mir
anscheinend wirklich eine gute Zeit zum Besuch der Tempelanlagen
ausgesucht. Hatte mit weit mehr Menschen gerechnet.
Von hier setzen wir die Route nach
Ta Som fort. Ta Som wurde im 12
Jh. von Jayavarman VII. errichtet und dessen Vater gewidmet. Auch
dieser Tempel ist buddhistischen Ursprungs.
Leider ist der Verfall dieses Tempels schon sehr fortgeschritten.
Vorletzter Tempel ist
Neak Pean . Um zu diesem Tempel zu gelangen,
läuft man über Holzstege durch eine Seen-/Mangrovenlandschaft bis
man schließlich vor der Tempelanlage ankommt. Die darf nicht
betreten werden- was durch einen Zaun mit Wärter entsprechend
deutlich gemacht wird :-). Der Name des Tempels bedeutet ursprünglich
wörtlich „sich ineinander windende Schlangen“) und ist noch
immer größtenteils von Wasser umgeben. Selbst Fachleute streiten
über die Symbolik: in der gängigsten Theorie stellt Neak Pean eine
Repräsentation des mythischen Himalaya-Sees Anavatapa dar, dessen
Wasser wundersame Heilkraft nachgesagt wird.
Von weitem ist auch die Statue eines Pferdes zu sehen. Der Legende
nach, verwandelte sich Lokesvara in das Pferd Balaha, um gestrandete
Kaufleute zu retten, die auf einer Insel vor Sri Lanka von einer
Dämonin bedroht wurden.
Als wir dann gegen 14:30 Uhr zum letzten Tempel kommen, muss ich
sagen, hätte ich nach diesem, keinen weiteren mehr besuchen wollen.
Der Kopf ist so voll mit Eindrücken. Dann läuft man bei fast 40 °C
in der Sonne herum und irgendwann ist der Kanal auch wirklich einmal
voll :-).
Dadurch, dass dieser Tempel größtenteils vom Dschungel
überwuchert ist, umgibt ihn ein besonderer Zauber. Die Anlage selbst
ist vergleichsweise groß. Errichtet an der früheren Königsstadt
Jayasri, lebte der Herrscher dort während des Wiederaufbaus von
Angkor Thom.
Der Legende nach, soll ein heiliges Schwert (Übersetzung des
Tempelnamens) in einer Zeremonie an seinen Nachfolger überreicht
worden sein. Es heißt, dass die Kambodschaner bis heute glauben,
dass der Besitzer dieses Schwertes rechtmäßigen Anspruch auf den
Thron haben. Eine Replik im Königspalast von Phnom Penh aufbewahrt.
In früheren Zeiten diente der Tempel auch als Kloster und
Universität. Manchmal waren hier fast 100 000 Menschen beschäftigt,
so dass täglich tonnenweise Reis angeliefert werden musste, um all
die hungrigen Mäuler stopfen zu können. 1191 wurde
Preah Khan als
multireligiöser Tempel geweiht, in dem Gläubige neben Shiva, Vishnu
und Buddha noch weitere 282 Götter verehren konnten. Es ist fast ein
bisschen wie in einem Märchen zwischen den verfallenen Gebäuden und
den ganzen mächtigen Bäumen einher zu streifen und sich
vorzustellen, wie geschäftig es hier wohl zu Lebzeiten des Königs
zugegangen ist :-)?!
Gegen 17 Uhr bin ich dann wieder zurück im Angkor Wonder Hostel.
Zum Essen gehe ich heute in die Pubstreet, wo ich auf einen ganz
interessanten Kauz treffe: einen Dänen, der nun schon seit 40 Jahren
in der Weltgeschichte herumreist.
Ich liebe solche Lebensstories :-)..Immer sehr spannend, sich mit
solchen Leuten auszutauschen.
Gegen halb acht bin ich dann wieder zurück im Zimmer und bei dem
Gedanken, dass ich nun eigentlich noch fast 140 Bilder bearbeiten und
mein Tagebuch schreiben müsste, muss ich mir leider eingestehen,
dass das sicher heute nichts mehr wird (geschätzte Dauer: rund 5-6
Stunden), denn morgen um 4 Uhr rappelt schon wieder mein Wecker.
Auschecken und bereits zum Sonnenaufgang nach Angkor fahren, um den
besonderen Zauber und die Kraft dieses Ortes bei den ersten
Sonnenstrahlen erleben zu können..
(die Beschreibung der Tempel habe ich größtenteils aus dem Buch:
Südostasien- Die Mekong- Region, 4. Auflage von Stefan Loose und aus
meiner Erinnerung der Schautafeln zusammengeschrieben)
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| Pre Rup |
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| kleine Details am Pre Rup |
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| ...wenn einem mal wieder der Tank leer wird..kein Thema: gibt ja überall Glasflaschen mit Sprit :-).. |
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| interessante Gefährte unterwegs.. |
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| perfekte Größe :-) |
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| wie ich traurigerweise erleben musste, gibt es Menschen, die diese Schilder nötig haben, um zu wissen, wie man sich zu benehmen hat..:-( |
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| die Rohmasse der Zuckerbonbons |
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| eine der vielen Verkäuferinnen am Straßenrand |
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besagte Früchte der Palmyrapalme
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| Östlicher Mebon |
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| Östlicher Mebon |
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| Östlicher Mebon |
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| Östlicher Mebon |
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| Ta Som |
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| Ta Som |
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| Ta Som |
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| schöne Umgebung des Neak Pean |
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| Neak Pean |
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| Preah Khan |
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| Preah Khan |
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| Preah Khan |
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| immer wieder gern gesehen ;-): alltägliches Bild auf den Straßen Kambodschas.. |
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