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Samstag, 22. Dezember 2012

Marktschreier, Kultur und Verkehrschaos- Denpasar-22.12.2012

Nachdem mir E-plus eine SMS geschickt hat, was mich hier das Telefonieren kosten würde, habe ich mich entschlossen, auch für Indonesien eine SIM-Karte zu kaufen. Bis zum 15.02.2013 bin ich nun daher erreichbar unter: +6285792504788. Laut meinem Reiseführer ist es wohl auch noch relativ günstig mit Vorwählen dieser Nummer: 01054 auf meinen Handy anzurufen. Angaben natürlich ohne Gewähr, da der Reiseführer zwar von 2012, aber die Billignummern ändern sich ja auch immer sehr schnell
Yoyo war so lieb, und hat mich heute Morgen mit dem Moped ans Museum gefahren und mir auch den Markt gezeigt, in dem ich mich später ins Getümmel werfen werde, um einen Sarong zu erwerben. Ohne diesen ist es kaum möglich, einen Tempel zu besuchen oder man sieht eben nur einen Teil davon..
Aber zunächst war das Bali Museum angesagt, das wohl an dem Platz steht, wo der alte Königspalast gestanden hat, bzw. manche Teile sind auch noch heute vorhanden davon. Die Darstellung in dem Museum ist sehr vielfältig und ich bin im nach hinein sehr zufrieden, dass ich mich auf „eine geführte Tour“ eingelassen habe. Nachdem wir uns auf 40 % des ursprünglichen Preises (und ich denke, da hat Putu immer noch ein gutes Geschäft gemacht) geeinigt haben, führt er mich für 2 Stunden durch das Museum und beantwortet geduldig und ausführlich all meine Fragen. Ach ist das herrlich nicht mit einem Englisch- Muttersprachler zu reden. Das versteht man im Gegensatz zu Vorgenannten nämlich wesentlich besser :-)..
Anhand der Ausstellungsstücke im Museum und der Tempelteile, erzählt mir Putu über den
Krieg mit Holland, welches Anfang des 20igsten Jahrhunderts Bali „kolonisiert“ hat, über den dadurch ausgelösten Selbstmord des Königspaares, das daran geglaubt hat, dass es durch den eigenen Selbstmord, „die Seele“ der Christen auch töten kann. Weiterhin erklärt er mir, dass Jungen, wie Mädchen mit 17 Jahren zu einer Zeremonie in den Tempel müssen. Dabei werden 6 Ihrer Zähne angefeilt. Diese Zähne stehen für sechs negative Eigenschaften (z.B. Neid, Eifersucht, etc.). Nach dieser Zeremonie ist es den jungen Erwachsenen erlaubt, zu heiraten, da sie durch diese Zeremonie in der Lage sind, diese negativen Eigenschaften zu kontrollieren. Eine weitere Zeremonie ist die Reinigung des Hauses von negativer Energie, bevor man in ein neues Haus einzieht. Danach sollte jedes halbe Jahr eine Zeremonie zur Reinigung der Energie im Haus durchgeführt werden. Dies ist allerdings nicht alle 6 Monate, sondern früher, da der balinesische Kalender nur 210 Tage hat. Am Tag des balinesischen Neujahrs, steht das Leben für die gläubigen Hinduisten quasi still. Es wird nicht gegessen, keine Musik, man verbringt den Tag im Haus. Laut Putu ist es, als würde Bali reell an diesem Tag „sterben“.
Auch zum Thema „Sterben“ und Beerdigung gab es Einiges zu berichten. So ist die Beerdigung eine sehr teuere Angelegenheit, da der Leichnam zuerst auf einer Bahre in einer Prozession zur Verbrennungsstätte getragen wird. Dabei bestimmt die Kaste, wie viele Holzsprossen verbaut werden. Der Leichnam selbst, wird dann von dieser Bahre in eine hölzerne Kuh, welche man oben durch einen Deckel öffnen kann (wie ein Sarg in Kuhform) gelegt und dann samt Kuh verbrannt. Die Asche wird im Meer oder am Fluss verstreut.
Für die untere Kaste, die sich eine solche Beerdigung nicht jedes Mal leisten kann, läuft es folgendermaßen ab. Zunächst werden die Leichen „aufbewahrt“. Alle 10 Jahre findet dann eine Massenverbrennung statt. Zwar sind dann meist nur noch die Knochen übrig, aber dennoch ist mit dieser Verbrennungszeremonie die Seele frei für die Wiedergeburt.
Kinder dürfen erst nach 6 Monaten, nachdem sie eine spezielle Zeremonie durch einen Priester erhalten haben, den Boden berühren. Auch, darf bis zu dieser Zeremonie das Kind nur durch die eigene Familie gesehen werden, um es „vor dem bösen Blick“ zu schützen..
Das ganze Leben im Hinduismus ist bestimmt durch den „Kampf“ zwischen Gut und Böse und dem Finden des Ausgleichs- Ying und Yang- zwischen beiden. Daher auch die ausgewogene Verehrung für Götter UND Dämonen. Die Opferschälchen z.B. sind, wie ich gestern schon mal geschrieben habe, mit Reis, Zuckerrohr-Blättern und Blumen gefüllt (u.a.). Dabei ist die Nahrung am Boden und die Blumen obenauf. Die Blumen werden den Göttern geopfert- der Reis am Boden ist für die Dämonen..
Es gibt die Schöpfergottheit, den Beschützergott und den Zerstörergott, wobei grundsätzlich aber an einen Gott, der eben in verschiedenen Gestalten auftritt geglaubt wird.
Bei traditionellen Tänzen werden in der Kleidung oft die Farben schwarz und weiss getragen. Auch dies wieder ein Zeichen für den ewig währenden Kampf zwischen Gut und Böse..
Interessant fand ich auch die Info, dass eine Frau durch Heiraten zwischen den verschiedenen Kasten aufsteigen kann- dies allerdings nur durch Reincarnation, d.h. sie kann nach ihrem Ableben in der höheren Kaste wiedergeboren werden. Wie man an vorangegangenem Beispiel sieht, ist es möglich, in unterschiedlichen Kasten zu heiraten, was allerdings selbst heute manchmal problematisch ist.
Nach den Holländern kamen die Japaner, was die buddhistischen Elemente hier im Glauben hervorgerufen hat. Auch hier im Tempel finden sich vereinzelt buddhistische Statuen.
Der Hinduismus selbst kam ganz zu Beginn aus Indien- daher wird von den Hinduisten auch Sanskrit als eigentliche Sprache verwandt. Früher schrieb man mit einer Art Steinmeisel auf Palmblätter und imprägnierte sie mit Palmöl. Insgesamt war es wirklich ein sehr interessanter Ausflug durch die balinesische Geschichte..
Im Anschluss hatte ich erst einmal Hunger und machte mich auf den Weg zum Markt, wo es sicherlich auch etwas zu Essen gibt..Dort dauerte es natürlich nicht lange und ich hatte eine Verfolgerin an meinen Fersen kleben, die es sich, nachdem ich sie nicht abschütteln konnte, nicht nehmen lassen wollte, mir einen Platz zum Essen zu zeigen. Nachdem ich mich entschieden hatte, was ich will, war die Frau hinter der Theke verschwunden. Gefunden habe ich sie dann auf dem Gebetsteppich :-)..Wie ihr Euch schon denken könnt, bin ich an einen moslemischen Warung geraten..Das Essen war aber lecker und zu dem Essen habe ich einen „es jeruk sedikit gula“ getrunken- das ist sowas wie eine ausgepresste Mandarine mit Eis und für mich mit wenig Zucker, denn auch hier wird gerne super süss getrunken. An diesem Warung habe ich auch Erni und ihre Freundin kennengelernt, mit denen ich mich nett unterhalten habe und die mich sogleich zu sich nach hause eingeladen hat. Wir haben dann mal Telefonnummern ausgetauscht. Mal schauen, wenn es sich ergibt und ich wieder in der Gegend bin und Zeit habe- warum nicht. Meine Verfolgerin saß brav ein paar Meter weiter und hat sehnlichst darauf gewartet, dass ich fertig werde. Nachdem ich 15 000 IRA gezahlt habe (das Essen hier ist wirklich sagenhaft günstig), ging es dann zu Teil 2: ich kaufe einen Sarong. Es hat mir ja vorher schon etwas davor gegraut, da ich im Prinzip nicht gerne handele und auch nicht gerne bedrängt werde und für Beides ist ein Markt hier DER OPTIMALE PLATZ! Wie dem auch sei, nach weiteren 20 Minuten ist diese Frau mir so auf die Nerven gegangen, dass ich sie einfach stehen gelassen habe. Sie hat mich dann samt Freundin- die mri den Sarong verkaufen wollte, durch den ganzen Markt verfolgt. Nachdem ich ihr 3 Mal gesagt habe, dass ich nun allein gehen will und sie das nicht akzeptieren wollte, habe ich, nach Vorankündigung beim letzten Mal, diesen Markt verlassen. Da konnte sie mir auch bis auf die Straße nachlaufen und mir „Tipp, Tipp“ nachbrüllen. DAS, hat mich dann auch nicht mehr interessiert. Ich mache keine leeren Versprechungen ;-)..
Wie zumeist im Leben zahlt Geduld sich aus und letztendlich bin ich dann mit einem Sarong nachhause, den ich nach zähen Verhandlungen ( 1.Preis 350 000 IRA) für 90 000 IRA mit nach hause genommen habe. Und auch hier denke ich, die Mädels haben kein so schlechtes Geschäft gemacht und auch für mich war es in Ordnung. Ich habe mich dann noch etwas über das Marktgeschehen treiben lassen. Hier bin ich immer wieder fasziniert über die Frauen und die riesigen, schweren Lasten auf ihrem Kopf. Es gab alles zu kaufen, von der lebenden Ente, über Gemüse, Obst, Kleidung, und und und.
Yoyo hat mich dann samt Felix wieder mit dem Moped abgeholt und dann ging es wieder zurück ins Home sweet home :-). Nicole&Yoyo sind wirklich sehr gastfreundlich und ich fühle mich sehr Und nu bin ich schon wieder seit gefühlten Ewigkeiten mit Blogschreiben beschäftigt..Für heute fällt jetzt mal die Klappe..Gut´s Nächtle nach Deutschland..
Überblick über das Bali-Museum in Denpasar


Eingangstür mit Dämonenschutzwall






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