Aktuelle Zeit bei mir :-)

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Djirri Nyurra- Willkommen im Tjaukai-27.11.2012


Meine Hoffnung, dass sich der Bus etwas verspäten würde, hatte sich nicht erfüllt. Er war nicht nur pünktlich in Townsville- er war sogar überpünktlich in Cairns heute Morgen um kurz vor 6 Uhr. An der Bushaltestelle hatte ich noch ein Ehepaar aus Großbritanien getroffen, deren 3 (!) Kinder in Australien hängengeblieben sind und nun hier arbeiten.
Der Spaßvogel an der Rezeption meinte gestern, wenn ich vor 8 Uhr ins Hostel kommen wolle, dann müsste ich die ganze Nacht bezahlen..Sehr lustig- ganz bestimmt nicht wegen 2 Stunden. Und wie gedacht, ging die Zeit auch sehr schnell vorbei. Ich habe mir erst mal im Mc Donalds einen Eiskaffeéfrappé gegönnt, um die Rotzäuglein mal ein bisschen besser aufzubekommen und dann habe ich noch etwas geskypt und E-Mails geschrieben und im Nu war es Zeit Richtung Hostel zu gehen..
Dort hatte ich dann gleich eine kuriose Situation im Hostel. Nachdem mir Ben an der Rezeption den Schlüssel ausgehändigt hat, dass ich quasi gleich ins Zimmer kann, in dem noch drei andere Mädels sein sollen, schaue ich nicht schlecht, als niemand da ist, außer ein junger Mann, der mich verschlafen aus einem der oberen Betten anblinzelt. Ich kann nicht wirklich erkennen, welches Bett frei sein soll, da alle benutzt aussehen, daher marschiere ich noch mal zur Rezeption. Dort stelle ich dann fest, dass der junge Mann erst recht nicht wirklich in dieses Zimmer gehört und bevor er Ärger bekommen kann, komme ich Ben zuvor und warne ihn, dass er nun besser aus dem Zimmer verschwinden soll..
Ben will „die Angelegenheit“ nun erst klären (und mir tut es schon leid, was ich hier für eine Welle losgetreten habe- aber für Geld kann man auch saubere Laken und ein unbenutztes Bett erwarten) und bittet mich, meine Taschen in der Rezeption abzustellen. Ich könne ja das Bad der Angestellten nutzen, da ich ihm erklärt habe, dass ich gleich ins Aboriginal Kultur Zentrum „Tjaukai“ los möchte. Kurz nach 9 Uhr bin ich dann auch an der Haltestelle angekommen- um dann festzustellen, dass ich meinen Bus gerade um 2 Minuten verpasst habe..Was allerdings nicht so schlimm ist, da ich dann schon mal die Zeit nutzen kann, um abzuchecken, ob es einen Bus oder ein Airportshuttle gibt, der/das mich am Samstag an den Flughafen bringt. Mit dem öffentlichen Bus fährt man fast 50 Minuten an das nur 15 km außerhalb der Stadt liegende Zentrum. Hier wird durch verschiedene künstlerische Aspekte, die Geschichte der Aborigines (Wasser- und Feuerwesen) und der Traumzeit erzählt. Auch besteht die Möglichkeit sich im Bumerang- oder Speerwerfen, Didgeridoo spielen oder sich künstlerisch beim Bemalen von Bumerangs auszutoben. Die Tanzvorführungen und Erklärungen von Jagdwerkzeugen, sowie Buschnahrung und Medizin ist sehr interessant anzuhören und anzuschauen.
Auch hörte ich heute zum ersten Mal, dass es ganz früher wohl über 500 verschiedene Stämme gegeben hat, welche sich größtenteils entlang der Küstenlinie von Australien schlängelten. Der hier agierende Stamm bezeichnet sich selbst als Volk des Regenwaldes. Das Didgeridoo selbst ist eigentlich nicht im Regenwald beheimatet. Es kommt ursprünglich aus Nordaustralien. Durch den Warenhandel gelangte schließlich in alle Ecken Australiens.  Didgeridoos werden aus von Termiten ausgehöhlten Baumstämmen hergestellt. Um einen geeigneten Baumstamm zu finden, geht man in den Busch und klopft an verschiedene Bäume bis man einen hohlen Klang hören kann. Der Baum (oder Teile davon) wird gefällt und dann von innen mit einem langen Stab bearbeitet, um Schmutz und totes Holz zu entfernen bis er völlig hohl ist. Die Rinde wird abgeschabt und das schmalere Ende, das als Mundstück dient, mit Bienenwachs bestückt.
Das Wachs stammt von der in Australien heimischen Sugarbag-Biene. Diese stachellosen Bienen produzieren einen wundervollen Honig und ein schwarzes Wachs. Dieses Wachs wird auch benutzt, um kleinere Löcher oder Risse im Holz zu versiegeln. Für größere Löcher nimmt man Baum- oder Gummiharze.
Um ein Didgeridoo zu spielen, macht man eine Schnute und bläst sanft durch die Lippen (soweit zur Theorie :-)). Dann schlägt man mit der Zunge und erzeugt so einen Ton, der sich anhört wie ein hüpfendes Känguru. Mit dem Einsatz des Kehlkopfes kann man Tierstimmen nachahmen, wie das Heulen eines Dingos, den Ruf des Kookaburras oder des Brolgas.
Der nächste Schritt ist das richtige Atmen. Die beim Didgeridooblasen angewandte Atemtechnik nennt man Zirkular- oder Kreisatmung. Dabei atmet man durch die Nase ein und gleichzeitig durch den Mund aus. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass ich nicht ansatzweise einen vernünftigen Ton aus dem Gerät gebracht habe?!
Bumerang, Speer, Grabstock und Schwert werden gleichermaßen als Verteidigungs- und Jagdwaffe genutzt. Die meisten Samen, die verspeist werden, müssen vorher gekocht oder gewässert werden, da sie im rohen Zustand giftig sind..Ich kann Euch sagen: eine Menge Info für meinen müden Kopf heute. Aber es hat mir gut gefallen..Die Realität hier in Cairns und auch dem restlichen Australien sieht nicht so rosig aus. Alkoholismus, Erkrankungen, Inzucht und eine mit allem zusammenhängende frühe Sterblichkeit bestimmen das Bild der Aboriginals in den Straßen. Die Regierung investiert eine Menge Geld, das von den Aboriginals aber leider größtenteils in Alkohol umgesetzt wird und die „weiße“ Bevölkerung ist sauer, dass hier Milliarden Steuergelder recht uneffektiv eingesetzt werden. Ich habe mehr als einmal gemerkt, dass über dieses Thema bei den Einheimischen nicht gerne geredet wird. Auch ich selbst kann mich eines gewissen unguten Gefühls hier nicht erwehren. Die Aboriginals wirken auf mich wie tickende Zeitbomben...Also- natürlich nicht „DIE“ Aboriginals, aber wirklich sehr viele, die man so auf den Straßen sieht, mit ihren Beinen wie Streichhölzer, den aufgedunsenen Mägen und dem unverkennbaren Alkoholgeruch..
Gegen 15:45 Uhr bin ich dann wieder zurück und kann dann auch mein Zimmer beziehen, wo wir für diese Nacht wohl nur zu dritt sind. Gleich im Anschluss will ich das verbleibende Licht nutzen und natürlich verhindern, dass ich direkt einschlafe, denn dann kann ich später nicht mehr schlafen, und schlendere noch entlang der Hafenpromenade und durch die Straßen von Cairns. Als es kurz vor 18 Uhr ist, besorge ich mir noch was zu essen und dann geht es Richtung Zimmer..Nun ist es fast schon wieder 20:30 Uhr. Werde mich jetzt mal noch unter die Dusche schwingen und gleich dann ins Bett, um noch etwas Hörbuch zu hören, bevor ich hoffentlich in eine gute Nacht hinübergleite. Morgen früh um 06:45 Uhr ist die Nacht vorbei :-)..
Nun- was soll ich sagen: mit dem gemütlich in den Schlaf hinübergleiten war wohl nichts..Zuerst hat die Tante von der Rezeption um 22:30 Uhr die Tür unseres Zimmers aufgesperrt und mich geweckt, um zu wissen, ob der junge Mann wieder im Zimmer aufgetaucht ist (tolle Zeit hat sie sich da ausgesucht) und dann trudeln schön nacheinander zuerst meine eine und dann meine andere Zimmernachbarin ein..Na ja, bis 2 Uhr waren dann beide da, so dass ich zumindest dann noch ein paar Stunden Schlaf abbekommen habe..
Beschreibung der Jagdgeraetschaften

Didgeridoo

traditionelle Taenze


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