Meine Hoffnung, dass sich der Bus etwas
verspäten würde, hatte sich nicht erfüllt. Er war nicht nur pünktlich in
Townsville- er war sogar überpünktlich in Cairns heute Morgen um kurz vor 6
Uhr. An der Bushaltestelle hatte ich noch ein Ehepaar aus Großbritanien
getroffen, deren 3 (!) Kinder in Australien hängengeblieben sind und nun hier
arbeiten.
Der Spaßvogel an der Rezeption meinte gestern,
wenn ich vor 8 Uhr ins Hostel kommen wolle, dann müsste ich die ganze Nacht
bezahlen..Sehr lustig- ganz bestimmt nicht wegen 2 Stunden. Und wie gedacht,
ging die Zeit auch sehr schnell vorbei. Ich habe mir erst mal im Mc Donalds
einen Eiskaffeéfrappé gegönnt, um die Rotzäuglein mal ein bisschen besser
aufzubekommen und dann habe ich noch etwas geskypt und E-Mails geschrieben und
im Nu war es Zeit Richtung Hostel zu gehen..
Dort hatte ich dann gleich eine kuriose
Situation im Hostel. Nachdem mir Ben an der Rezeption den Schlüssel
ausgehändigt hat, dass ich quasi gleich ins Zimmer kann, in dem noch drei
andere Mädels sein sollen, schaue ich nicht schlecht, als niemand da ist, außer
ein junger Mann, der mich verschlafen aus einem der oberen Betten anblinzelt.
Ich kann nicht wirklich erkennen, welches Bett frei sein soll, da alle benutzt
aussehen, daher marschiere ich noch mal zur Rezeption. Dort stelle ich dann
fest, dass der junge Mann erst recht nicht wirklich in dieses Zimmer gehört und
bevor er Ärger bekommen kann, komme ich Ben zuvor und warne ihn, dass er nun
besser aus dem Zimmer verschwinden soll..
Ben will „die Angelegenheit“ nun erst klären
(und mir tut es schon leid, was ich hier für eine Welle losgetreten habe- aber
für Geld kann man auch saubere Laken und ein unbenutztes Bett erwarten) und
bittet mich, meine Taschen in der Rezeption abzustellen. Ich könne ja das Bad
der Angestellten nutzen, da ich ihm erklärt habe, dass ich gleich ins
Aboriginal Kultur Zentrum „Tjaukai“ los möchte. Kurz nach 9 Uhr bin ich dann
auch an der Haltestelle angekommen- um dann festzustellen, dass ich meinen Bus
gerade um 2 Minuten verpasst habe..Was allerdings nicht so schlimm ist, da ich
dann schon mal die Zeit nutzen kann, um abzuchecken, ob es einen Bus oder ein
Airportshuttle gibt, der/das mich am Samstag an den Flughafen bringt. Mit dem
öffentlichen Bus fährt man fast 50 Minuten an das nur 15 km außerhalb der Stadt
liegende Zentrum. Hier wird durch verschiedene künstlerische Aspekte, die
Geschichte der Aborigines (Wasser- und Feuerwesen) und der Traumzeit erzählt.
Auch besteht die Möglichkeit sich im Bumerang- oder Speerwerfen, Didgeridoo
spielen oder sich künstlerisch beim Bemalen von Bumerangs auszutoben. Die
Tanzvorführungen und Erklärungen von Jagdwerkzeugen, sowie Buschnahrung und
Medizin ist sehr interessant anzuhören und anzuschauen.
Auch hörte ich heute zum ersten Mal, dass es
ganz früher wohl über 500 verschiedene Stämme gegeben hat, welche sich
größtenteils entlang der Küstenlinie von Australien schlängelten. Der hier
agierende Stamm bezeichnet sich selbst als Volk des Regenwaldes. Das Didgeridoo
selbst ist eigentlich nicht im Regenwald beheimatet. Es kommt ursprünglich aus
Nordaustralien. Durch den Warenhandel gelangte schließlich in alle Ecken
Australiens. Didgeridoos werden
aus von Termiten ausgehöhlten Baumstämmen hergestellt. Um einen geeigneten
Baumstamm zu finden, geht man in den Busch und klopft an verschiedene Bäume bis
man einen hohlen Klang hören kann. Der Baum (oder Teile davon) wird gefällt und
dann von innen mit einem langen Stab bearbeitet, um Schmutz und totes Holz zu
entfernen bis er völlig hohl ist. Die Rinde wird abgeschabt und das schmalere
Ende, das als Mundstück dient, mit Bienenwachs bestückt.
Das Wachs stammt von der in Australien heimischen
Sugarbag-Biene. Diese stachellosen Bienen produzieren einen wundervollen Honig
und ein schwarzes Wachs. Dieses Wachs wird auch benutzt, um kleinere Löcher
oder Risse im Holz zu versiegeln. Für größere Löcher nimmt man Baum- oder
Gummiharze.
Um ein Didgeridoo zu spielen, macht man eine
Schnute und bläst sanft durch die Lippen (soweit zur Theorie :-)). Dann schlägt
man mit der Zunge und erzeugt so einen Ton, der sich anhört wie ein hüpfendes
Känguru. Mit dem Einsatz des Kehlkopfes kann man Tierstimmen nachahmen, wie das
Heulen eines Dingos, den Ruf des Kookaburras oder des Brolgas.
Der nächste Schritt ist das richtige Atmen.
Die beim Didgeridooblasen angewandte Atemtechnik nennt man Zirkular- oder
Kreisatmung. Dabei atmet man durch die Nase ein und gleichzeitig durch den Mund
aus. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass ich nicht ansatzweise einen
vernünftigen Ton aus dem Gerät gebracht habe?!
Bumerang, Speer, Grabstock und Schwert werden
gleichermaßen als Verteidigungs- und Jagdwaffe genutzt. Die meisten Samen, die
verspeist werden, müssen vorher gekocht oder gewässert werden, da sie im rohen
Zustand giftig sind..Ich kann Euch sagen: eine Menge Info für meinen müden Kopf
heute. Aber es hat mir gut gefallen..Die Realität hier in Cairns und auch dem
restlichen Australien sieht nicht so rosig aus. Alkoholismus, Erkrankungen,
Inzucht und eine mit allem zusammenhängende frühe Sterblichkeit bestimmen das
Bild der Aboriginals in den Straßen. Die Regierung investiert eine Menge Geld,
das von den Aboriginals aber leider größtenteils in Alkohol umgesetzt wird und
die „weiße“ Bevölkerung ist sauer, dass hier Milliarden Steuergelder recht
uneffektiv eingesetzt werden. Ich habe mehr als einmal gemerkt, dass über
dieses Thema bei den Einheimischen nicht gerne geredet wird. Auch ich selbst
kann mich eines gewissen unguten Gefühls hier nicht erwehren. Die Aboriginals
wirken auf mich wie tickende Zeitbomben...Also- natürlich nicht „DIE“
Aboriginals, aber wirklich sehr viele, die man so auf den Straßen sieht, mit
ihren Beinen wie Streichhölzer, den aufgedunsenen Mägen und dem unverkennbaren
Alkoholgeruch..
Gegen 15:45 Uhr bin ich dann wieder zurück und
kann dann auch mein Zimmer beziehen, wo wir für diese Nacht wohl nur zu dritt
sind. Gleich im Anschluss will ich das verbleibende Licht nutzen und natürlich
verhindern, dass ich direkt einschlafe, denn dann kann ich später nicht mehr
schlafen, und schlendere noch entlang der Hafenpromenade und durch die Straßen
von Cairns. Als es kurz vor 18 Uhr ist, besorge ich mir noch was zu essen und
dann geht es Richtung Zimmer..Nun ist es fast schon wieder 20:30 Uhr. Werde
mich jetzt mal noch unter die Dusche schwingen und gleich dann ins Bett, um
noch etwas Hörbuch zu hören, bevor ich hoffentlich in eine gute Nacht
hinübergleite. Morgen früh um 06:45 Uhr ist die Nacht vorbei :-)..
Nun- was soll ich sagen: mit dem gemütlich in
den Schlaf hinübergleiten war wohl nichts..Zuerst hat die Tante von der
Rezeption um 22:30 Uhr die Tür unseres Zimmers aufgesperrt und mich geweckt, um
zu wissen, ob der junge Mann wieder im Zimmer aufgetaucht ist (tolle Zeit hat
sie sich da ausgesucht) und dann trudeln schön nacheinander zuerst meine eine
und dann meine andere Zimmernachbarin ein..Na ja, bis 2 Uhr waren dann beide
da, so dass ich zumindest dann noch ein paar Stunden Schlaf abbekommen habe..
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