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Mittwoch, 18. Juli 2012

Quito- "Haut"nah :-)


Nach dem schönen Wochenende war Montag dann wieder mehr im Sinne des Spanischlernens und Dinge des alltäglichen Lebens erledigen angesagt..
Dienstag hatte ich dann Vormittags Unterricht und bin von dort aus dann direkt in die Altstadt (ca. 50-55 Minuten zu Fuß), wo ich mich dann mit Astrid am Museo el cuidad getroffen habe (www.museocuiodadquito.gov.ec).
Hier haben wir dann für 3 Dollar Eintritt sogar noch eine Führung auf Englisch erhalten von einer sehr süssen Ecuadorianerin, die sich pausenlos entschuldigt hat, dass ihr Englisch so schlecht ist...Was es nicht war. Wäre froh, ich könnte schon so gut Spanisch sprechen. Bin grad immer ein bißchen neidisch auf all die Leute, die ich hier treffe, die 6-8 Jahre Spanisch in der Schule und/oder beim Studium hatten..Man wird hier so oft angesprochen von den Leuten (die sind hier wirklich sehr kommunikativ) und mir tut es immer so leid, dass ich keine richtige Konversation zustande bringe oder nur einen Bruchteil von dem verstehe, was sie einem erzählen oder fragen. Astrid, die jetzt gerade von Kolumbien gekommen ist, ist total begeistert von den Leuten in Ecuador. Sie meinte in Kolumbien wäre das ganz anders gewesen. Viel reservierter und die meisten Leuten waren die ganze Zeit darauf aus, „die Gringas“ abzuzocken..
Na ja- zurück zum Museum. Also, wer mal hierher kommen sollte, der sollte sich dieses bei entsprechender Zeitoption wirklich ansehen. Sehr schön gemachtes Museum mit Liebe zum Detail. In den unterschiedlichen Räumen werden die unterschiedlichen Jahrzehnte mit detailgetreuen Nachbauten dargestellt. In dem Gebäude, in dem früher auch mal ein Krankenhaus war, würde es bei Nacht in der kleinen Kapelle spuken (im Sinne von unerklärliche Geräusche, usw.). Hat Alex erzählt bekommen- ist quasi wie in ähnlichen Gebäuden, wo so viele Menschen gestorben sind—es gibt Geschichten.
Im Anschluss bin ich mit Astrid noch etwas durch die Altstadt geschlendert und ich habe eine Art Nachspeise probiert. Allerdings konnten wir beide nicht herausfinden, was wir da gegessen haben. Es gab einen Becher, in den Becher wurden Erbeeren eingefüllt. Darauf kam eine weiße Creme und ganz obenauf Sahne mit einem Spritzer Schokosoße.
Also ich konnte keinen großen Unterschied schmecken zwischen Sahne und Creme: wahrscheinlich gab´s keinen:-)?? Vielleicht wurde die weiße Creme mit 3,5 % iger Milch gemacht und dann eben die Sahne??
Na ja- es wird wahrscheinlich zu den ungelösten Rätseln der Menschheit hinzugefügt werden..
Heute war ich mit Alex noch zum Mittagessen in einem ecuadorianischen Restaurant, wo es dann das typische „almuerza“ gab: eine Suppe, einen Saft und ein Hauptgericht.
Ich finde es immer noch faszinierend, dass hier zu allem Reis gegessen wird:
Bsp.: Lasagne und Reis als Beilage. Dabei ist der Reis aber purer Reis ohne Sosse oder Ähnliches. Es ist für die Leute hier völlig unverständlich, wenn man nach mehr Sosse fragt—weil: es gibt doch Reis dazu???
Noch ein kleines Detail zum Thema Essen: ich hatte doch mal ein Bild der fritierten Schweinehäute online gestellt. Diese Schweinehaut findet sich auch immer wieder als „Fettklumben“ in Suppern, Eintöpfen u.ä..Alex konnte mir erklären, woher das kommt (ich liebe ja solche kleinen Details ;-)). Als die Spanier Südamerika eroberten, machten Sie die Indios zur unteren Gesellschaftsschicht. Mit den Spaniern kamen die Schweine als Nahrungsgrundlage. Tja- und was soll man sagen: die Spanier aßen das Gute des Schweins: nämlich sein Fleisch und für die Indios blieben dann nur noch die Reste- wie z.B. die
Schweinhaut..und diese jahrhundertelange- zunächst aus der Not geborene- Esskultur hat sich eben bis heute gehalten..
Außerdem hatten wir für heute Abend abgemacht, ins Kino zu gehen. Die Idee stammte von Sam- meinem Mitschüler aus Colorado. Im Süden Quitos, im Theatro Mexico haben sie im Juli die Aktion an drei Mittwochen einen deutschen Film mit spanischem Untertitel zu zeigen.
Hierzu mussten wir am Abend mit dem Bus ca. 25 Minunten in die Südstadt fahren.
Und allein DAS- war echt ein Erlebnis. Also, eins ist mal mehr als klar: Platzangst und Berührungsängste waren da heute absolut fehl am Platz. Die Busse sind am Abend so brechend voll, dass es an jeder Haltestelle zugeht wie auf dem Rugbyfeld. Ein Handgemenge folgt dem nächsten. Wir haben es tatsächlich erst in den vierten Bus an der Haltestelle geschafft, weil alle anderen so berstend voll waren und wir gar nicht erst in den Bus gekommen sind oder von einer Horde wild gewordener Ecuadorianer überrannt worden sind. Von Rücksicht und Freundlichkeit war hier jedenfalls keine Spur.. Als wir dann drin waren, brauchten wir uns wenigstens keine Gedanken zu machen irgendwie umzufallen—dazu war kein Platz. Und- ich glaube ich brauche auch nicht zu erwähnen, das wir die einzigen Ausländer im Bus waren ;-P..
Wir hatten uns an der Haltestelle mit Sam verabredet- dem es allerdings genauso ging. Daher war er fast 20 Minuten zu spät und so dann zogen wir los, um das Kino zu suchen.
Da diese Gegend um die Uhrzeit nicht ungefährlich ist (der Süden von Quito ist ärmer, niedrigere Mieten, noch mehr ärmere Menschen), konnten wir nur zu Fuss los, weil wir zu viert waren. Allein wäre immer das Taxi das Mittel zur Wahl gewesen. Darauf hatte mich German und auch Alex extra hingewiesen. Wir haben es- mit Verspätung- dann auch noch bis ins Kino geschafft. Und was kam für ein Film: DAS WUNDER VON BERN! Ich hab mich fast wegschmissen. Weggeschmissen hat sich Melanie während des halben Films dann, indem sie ständig gegiggelt hat: Der redet ja wie Du!! Klar, wenn die Lauterer Spieler- allen voran Fritz Walter was zum Besten gegeben haben—dann war des wie dehäm!! Tja, man kann noch so weit fahren—irgendwie findet einen die Heimat doch immer wieder ;-)..
Im Anschluss sind wir dann wieder mitm Bus zurück gefahren und da die Mädels so nen Hunger hatten, waren wir noch in El Mariscal was essen bzw. ich was mittrinken. Auch hier wurden wir vorm Aussteigen wieder von einem Einheimischen gewarnt, uns am besten mit unseren Kapuzen etwas zu tarnen und nicht zu sprechen, bis wir zwei Blocks weiter auf der Hauptverkehrsstrasse angekommen sind- um uns nicht direkt als Gringas zu verraten und zum eventuellen Ziel eines Überfalles zu machen...Also auf Dauer wär mir das hier echt zu anstrengend :-/...
Im Restaurant haben wir uns dann ziemlich verquatscht, weil´s so gemütlich war..Tja- und so bin ich nun via Taxi erst nach 12 Uhr nach hause gekommen..Da ich aber noch so fit war, habe ich noch diese Zeilen verfasst..Nun sollte ich aber langsam in die Heia---ist schon viertel vor eins und gegen halb sieben heißt es schon wieder „bienvenida dia nueve“..
also- bis dahin,
LG Krissi

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