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Montag, 20. Mai 2013

Die Kaiserstadt Hue- 18.05&19.05.2013

Nachdem ich gestern meinen Bus für heute Morgen bestätigt hatte, hieß es, dass ich um 07.15 Uhr bei Camel Travel erscheinen solle..Auf meinen Hinweis, dass auf meinem Ticket steht, dass ich von meinem Hotel für den Bus abgeholt werde, meint sie nur abschätzend: „Nicht in Hoi An...“..Jepp, hier ist eben nicht alles drin, was draufsteht :-)..
Also erscheine ich brav um 07.15 Uhr (was mit einer 15 minütigen Wanderung vom Hotel hierher verbunden ist), beim Reisebüro...NUR- um dort noch über eine Stunde dumm herum zusitzen. Macht ja auch so viel Spaß, sich morgens um 05:45 Uhr aus dem Bett zu schälen, während die ganzen Vietnamesen, die den gleichen Bus nehmen KOMISCHERWEISE erst gegen 8 Uhr auftauchen..Sehr seltsam- und das obwohl der Bus ja angeblich um 07:30 Uhr fährt..
Nun ja- wie auch immer. Um 08:20 Uhr bin ich dann im Bus und es ist der schlechteste Schlafbus, den ich bisher in ganz Asien hatte: keine verstellbaren Sitze, dreckige Decken und als Klimaanlage ein Loch in der Decke, aus der kaum Luft kam..
Na wenigstens muss ich nur für rund 4 Stunden in dem Bus ausharren..Letztendlich noch ein bisschen länger, da unterwegs der Reifen noch gewechselt werden musste..
Dafür klappt alles in Hue. Ich werde- trotz fast einer dreiviertel Stunde Verspätung von meinem Hotel abgeholt. Es ist immer sehr angenehm schon ein Hotel und einen Fahrer zu haben, da sie wie die Geier lauern und einen zubrüllen, wenn man aus dem Bus aussteigt..
Eigentlich hatte ich vor, noch am gleichen Nachmittag in die verbotene Stadt zu gehen, aber nach einem Spaziergang war ich durch den strapaziösen Vormittag so platt, dass ich beschlossen habe, in mein Hotel zurückzukehren, mal ein paar E-Mails zu beantworten und früh ins Bett zu gehen. Für den nächsten Tag hatte ich mir dann einen Fahrer organisiert, der mich zur verbotenen Stadt, einer Pagode und drei der Kaisergräber bringt.
Hue ist die historische Hauptstadt von Vietnam (1802-1945) und damit Sitz der letzten Kaiser. Der sich durch Hue schlängelnde Parfümfluss (Song Huong) gibt dem ganzen einen leicht romantischen Touch. Was durch die rosanen Blüten, welche auf dem Fluss drapiert sind, noch verstärkt wird. Die verbotene, purpurne Stadt befindet sich im Norden der Stadt und ist inzwischen schon fast vollständig von Wohneinheiten und Arbeitsstätten umgeben. Das was früher quasi nur dem Kaiser und dessen Hofstaat zugänglich war, liegt nun „mitten in der Stadt“..Wenn man Richtung Eingang- also durch das Mittagstor (Ngo Mon-Tor) geht, kommt man vorher an der Zitadelle vorbei. Direkt an der Seite sind dort die neun heiligen Kanonen (Cuu Vi Than Cong), die der Gründer der Dynastie aus den erbeuteten Waffen der besiegten Tay Son gießen lies. Bei dem Mittagstor handelt es sich um eines der 4 Eingangstore in die Kaiserstadt.
Von hier aus gelangt man recht schnell in die Halle der höchsten Harmonie (Dien Thai Hoa) und nachdem man auch diese durchschritten hat, erstreckt sich das Gelände der purpurnen, verbotenen Stadt (Tu Cam Thanh), welche zu Regierungszeiten lediglich dem Kaiser&seinem Gefolge vorbehalten war (an dieser Stelle seien auch die zumeist über 100 Konkubinen erwähnt, die zu des Kaisers „Belustigung“ in der Stadt verweilten).
Der Name stammt aus der chinesischen Astrologie, wo es im Himmel einen „purpurnen“ Bereich gibt, an dem der Polarstern steht-eine Metapher für die Stellung des Kaisers als unverrückbarer Herrscher des Himmels auf Erden. Auf dem folgenden Gelände sind diverse Überbleibsel von Tempeln, sowie die Paläste der Mutter und Großmutter des Herrschers zu finden (Palast der Ewigkeit (Cung Dien Tho) bzw. Palast des langen Lebens (Cung Truong Sinh).
Ein Großteil wurde jeweils der Ahnenverehrung gewidmet (Infos wie zumeist aus Stefan Loose: „Die Mekong- Region“; natürlich auch die Folgenden über Kaisergräber etc.).
Gut zu wissen ist, dass es hier für 180 000 Dong ein „Gemeinschaftsticket“ für die Verbotene Stadt und zwei der Kaisergräber gibt- was die ganzen Eintrittsgelder etwas schmälert.
Während des Besuches habe ich einen jungen Mann aus Singapur kennengelernt und wir haben uns die Stadt in knapp 2 Stunden zusammen angeschaut. Da seine Eltern chinesische Wurzeln haben, konnte er mir Einiges erklären (speziell was die Ahnenverehrung angeht) oder auch die verschiedenen, chinesischen Elemente des Baustils.
Von ihm weiß ich nun auch, dass für abergläubige Asiaten der Geruch von Frangipani bei Nacht etwas Gefährliches ist: nämlich der Geist einer bei der Geburt gestorbenen Frau...Also, ich würde da einfach wieder nur denken: hhhmmmm, riecht das gut! Wo der Baum wohl steht?? :-)
Danach war dann schon wieder Abschied nehmen angesagt und ich fuhr mit meinem Fahrer Tin weiter zur Thien Mu-Pagode. Diese erreicht man, wenn man 4 km Richtung Westen entlang des Flussufers auf der Kim Long- Straße fährt.
Sie gilt als eines der Wahrzeichen von Hue. Gegründet wurde sie bereits 1601 von Fürst Nguyen Hoang, dem mehrfach eine alte Frau in seinen Träumen erschienen ist und ihm erklärt habe, dass die Stelle magische Kräfte habe und diese sollen durch die Pagode markiert werden. Daher ist auch das dazugehörige Kloster das Älteste in Hue.
Der große, siebenstöckige Turm (Turm der Freude und Anmut (Thap Phuoc Duyen) wurde allerdings erst später hinzugefügt (1844). Zwei Pavillions flankieren den Mittelweg, wobei einer eine große Schildkröte beherbergt, die die Geschichte der Pagode als Stele auf dem Rücken trägt und der andere Pavillion enthält eine massive Glocke. Durch ein dreiteiliges Tor mit abstrusen Wächterfiguren, kommt man zur Haupthalle, wo sich diverse Buddhafiguren befinden. Die Mönchsunterkünfte befinden sich an den Seiten.
Außerdem soll sich hier immer noch ein alter Austin in der Garage befinden. Es ist das Fahrzeug, mit dem sich der 73-jährige Mönch Thich Quang Duc am 11.06.1963 zu seiner Selbstverbrennung in Sai Gon fahren ließ. Der wollte damit gegen die Unterdrückung des Buddhismus durch den katholischen Präsidenten Diem protestieren.
Zuvor hatte der Mönch in diesem Kloster gelebt.
Nächste Anlaufstelle war das Grab von Tu Duc. Ich war zugegebenermaßen überrascht über die Größe der Anlage, warum das Grab daher auch Lang Khiem- Grab der Bescheidenheit genannt wird, erschließt sich mir daher nicht so ganz. Der Kaiser hat sich zu Lebzeiten bereits von den Regierungsgeschäften zurück- und es vorgezogen, sich hierher zurückzuziehen und Gedichte zu verfassen.
Gleich ins Auge sticht der See des bescheidenen Bewahrens, der dem Ganzen eine sehr friedliche Atmosphäre gibt.
Man kann ohne Probleme gut und gerne 2 Stunden auf dem Gelände verbringen, ohne zweimal die gleiche Stelle passiert zu haben. Alles ist großflächig und parkähnlich angelegt.
In den Gebäuden befinden sich heute Tempel zur Ahnenverehrung. Das eigentlich Grabmal ist westlich des Sees und man sieht einfach im Zentrum einen steinernen Sarkophag.
Allerdings befindet sich der Leichnam selbst, nicht in diesem, sondern ruht versteckt in einem der 11 Stollen, die im Gelände angelegt sind.
Von hier aus führte uns die Fahrt weiter zum Grab von Minh Mang. Auch diese Anlage ist sehr weitläufig. Daher könnte man wohl schon sagen, dass die größten und schönsten Anlagen die beider vorgenannter Kaiser sind.
Laut Reiseführer waren Feng-Shui-Spezialisten 14 Jahre lang beschäftigt, den richtigen Platz für die Grabanlage des Kaisers zu finden. Und letztendlich verstarb dieser dann überraschend. Somit war es an dessen Nachfolger aus der zugewucherten Wildnis einen schönen Park zu machen.
Auffällig hier ist, dass die Gebäude sich um eine zentrale Ost-West-Achse gruppieren. Wenn man sie entlang geht und sich somit dem Grab nähert, versinnbildlicht das den Übergang von der irdischen in die himmlische Sphäre.
Nachdem man diverse Pavillions und Tempel (Ahnenverehrung, Lebensgeschichte des Kaisers etc.) durchschritten hat, kommt man, indem man den See des Neumondes überschritten hat zu einem Hügel, der wohl der eigentliche Grabhügel von Minh Mang ist.
Leider hatte ich auch hier etwas wenig Zeit, da ich ja pünktlich gegen 16 Uhr zurück sein sollte, um den 17 Uhr Bus nach Ninh Binh noch zu erwischen.
Das letzte, ungewöhnlichste, prunkvollste und ziemlich europäische Grab, ist die Anlage von Kaiser Khai Dinh. Hier hörte ich in der Ferne schon ein verdächtiges Donnergrollen; aber über der Anlage selbst, herrschte noch blauer Himmel.
Der europäische Touch liegt vermutlich daran, dass der Kaiser 3 Jahre vor seinem Tod Frankreich besuchte und von der dortigen Architektur wohl sehr beeindruckt war. Zwar ist auch diese Grabanlage nach Feng Shui Prinzipien ausgelegt- aber sie wirkt mehr wie eine Mischung aus vietnamesischem Palast und neobarockem Anwesen. Der Bau dauerte 11 Jahre und ist noch in seinem Originalzustand erhalten. Also- ich fand es ziemlich beeindruckend. Im aufwendig mit Porzellan- und Glasscherben verzierten Mausoleum, befindet sich ein Goldstatue des Kaisers in Lebensgröße, sowie diverse schwarz-weiß Fotografien.
Allen gemeinsam sind übrigens bestimmte Elemente: die Stele mit der Biografie des Kaisers, Obelisken, der Ehrenhof mit Statuen von Mandarinen, Pferden und Elefanten, der Tempel mit Schreinen für den Verstorbenen und seine Gattin, sowie das eigentliche Grabmal. Unterschiedlich und doch miteinander verbunden :-).
Ich war übrigens kaum drinnen, da hat es außen angefangen zu schütten. Wirklich faszinierend. Ich habe Bilder mit strahlend blauem Himmel und nur 5 Minuten später, gab es ein Gewitter, das sich gewaschen hat. Und zwar so extrem, dass der Strom ausfiel.
Warum- das bekam ich später zu Gesicht. Nachdem der Regen etwas abgeflaut war, sind wir zurück in die Stadt gefahren und uns zeigte sich ein Ausmaß der Zerstörung. Umgestürzte, entwurzelte Bäume, gerissene Stromleitungen, überflutete Straßen..Ich habe selten, wenn überhaupt vielleicht noch nie- so viele Bäume in kurzer Distanz mit Blitzeinschlägen gesehen...Wahnsinn, welche Kraft da dahinter steckt.
Das dicke Ende kam dann noch, als mich Tin am Hotel absetzte. Ich hatte meine Sarong mitgenommen, da ich nicht wusste, wie kleinlich sie hier beim Besuchen der Stätten bez. kurzer Hosen sind und bei rund 40 °C Außentemperatur hatte ich irgendwie keine Lust, lange Hosen zu tragen..Jedenfalls, als ich ihn bat, mir meinen Sarong, der sich an seinem Roller befand, den er normalerweise beaufsichtigen sollte, meinte er nur lapidor: „ I don´t know..no have...!“
Tja, dies wird ein weiteres Rätsel vom touristenfreundlichen Vietnam bleiben: ob er ihn genommen oder ein Anderer ihn gestohlen hat?? Wer weiß! Fakt ist, er war weg und mir fehlt mein Sarong :-(..Echt erstaunlich, wie man sich selbst an Kleidungsstücke gewöhnen kann..
Na ja, wer weiß: vielleicht finde ich ja noch was gaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanz Tolles, dass ich mir uuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuunbedingt kaufen will und nun habe ich ein bißchen Platz in meinem Rucksack :-/..Das nennt man wohl Galgenhumor..Aber, besser nur meinen Sarong, wie etwas wirklich Wichtiges.
Im Hotel habe ich mich dann nur noch unter die Dusche geworfen und um 17 Uhr kam dann schon der Bus. Dieser war dann wenigstens etwas Besser als der Letzte, aber dennoch war die Nacht wenig ergiebig, als ich mich um 04:30 Uhr am nächsten Morgen auf der Straße in Ninh Binh wiederfand..


leicht angerostete Kriegszeugen

Zitadelle

in der Verbotenen Stadt: Drachen als Zeichen von Macht


hier wird Vieles zur Zeit restauriert- Gott sei Dank!

kaiserliches Theater






Ahnenverehrung

Tho Ninh Palast


Blick auf den Parfümfluss

Wächterfigur in der Thien Mu Pagode


winzige Fledermaus in der Tu Duc- Grabanlage (vielleicht im Gesamten 4 cm groß)

Grabmal für die Gattin

steinerner, leerer Sarkophag



einer der Elefantenfiguren

Herstellung von Räucherwerk

...und Flechten von Hüten

Verschloessenes, rotes Tor in Grabmal des Minh Mang

Weg zum Grabhügel

prunkvoll gestaltete Tore

besagter blauer Himmel über dem Grabmal von Khai Dinh

Wächterfiguren

Drachen zum Schutz

Mandarin- Wächterfigur

Schrein zur Ahnenverehrung

mit Porzellan und Scherben verziertes Mausoleum

schwarz-weiß Bild des Kaisers

tja: und SO sah das Ganze 5 Minuten später aus :-)!

Bronzestatue des Kaisers

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