Nachdem ich gestern meinen Bus für heute Morgen
bestätigt hatte, hieß es, dass ich um 07.15 Uhr bei Camel Travel
erscheinen solle..Auf meinen Hinweis, dass auf meinem Ticket steht,
dass ich von meinem Hotel für den Bus abgeholt werde, meint sie nur
abschätzend: „Nicht in Hoi An...“..Jepp, hier ist eben nicht
alles drin, was draufsteht :-)..
Also erscheine ich brav um 07.15 Uhr (was mit einer 15 minütigen Wanderung vom Hotel hierher verbunden ist), beim
Reisebüro...NUR- um dort noch über eine Stunde dumm herum zusitzen.
Macht ja auch so viel Spaß, sich morgens um 05:45 Uhr aus dem Bett
zu schälen, während die ganzen Vietnamesen, die den gleichen Bus
nehmen KOMISCHERWEISE erst gegen 8 Uhr auftauchen..Sehr seltsam- und
das obwohl der Bus ja angeblich um 07:30 Uhr fährt..
Nun ja- wie auch immer. Um 08:20 Uhr bin ich dann im
Bus und es ist der schlechteste Schlafbus, den ich bisher in ganz
Asien hatte: keine verstellbaren Sitze, dreckige Decken und als
Klimaanlage ein Loch in der Decke, aus der kaum Luft kam..
Na wenigstens muss ich nur für rund 4 Stunden in dem
Bus ausharren..Letztendlich noch ein bisschen länger, da unterwegs
der Reifen noch gewechselt werden musste..
Dafür klappt alles in Hue. Ich werde- trotz fast einer
dreiviertel Stunde Verspätung von meinem Hotel abgeholt. Es ist
immer sehr angenehm schon ein Hotel und einen Fahrer zu haben, da sie
wie die Geier lauern und einen zubrüllen, wenn man aus dem Bus
aussteigt..
Eigentlich hatte ich vor, noch am gleichen Nachmittag
in die verbotene Stadt zu gehen, aber nach einem Spaziergang war ich
durch den strapaziösen Vormittag so platt, dass ich beschlossen
habe, in mein Hotel zurückzukehren, mal ein paar E-Mails zu
beantworten und früh ins Bett zu gehen. Für den nächsten Tag hatte
ich mir dann einen Fahrer organisiert, der mich zur verbotenen Stadt,
einer Pagode und drei der Kaisergräber bringt.
Hue ist die historische Hauptstadt von Vietnam
(1802-1945) und damit Sitz der letzten Kaiser. Der sich durch Hue
schlängelnde Parfümfluss (Song Huong) gibt dem ganzen einen leicht
romantischen Touch. Was durch die rosanen Blüten, welche auf dem
Fluss drapiert sind, noch verstärkt wird. Die verbotene, purpurne
Stadt befindet sich im Norden der Stadt und ist inzwischen schon fast
vollständig von Wohneinheiten und Arbeitsstätten umgeben. Das was
früher quasi nur dem Kaiser und dessen Hofstaat zugänglich war,
liegt nun „mitten in der Stadt“..Wenn man Richtung Eingang- also
durch das Mittagstor (Ngo Mon-Tor) geht, kommt man vorher an der
Zitadelle vorbei. Direkt an der Seite sind dort die neun heiligen
Kanonen (Cuu Vi Than Cong), die der Gründer der Dynastie aus den
erbeuteten Waffen der besiegten Tay Son gießen lies. Bei dem
Mittagstor handelt es sich um eines der 4 Eingangstore in die
Kaiserstadt.
Von hier aus gelangt man recht schnell in die Halle der
höchsten Harmonie (Dien Thai Hoa) und nachdem man auch diese
durchschritten hat, erstreckt sich das Gelände der purpurnen,
verbotenen Stadt (Tu Cam Thanh), welche zu Regierungszeiten lediglich
dem Kaiser&seinem Gefolge vorbehalten war (an dieser Stelle seien
auch die zumeist über 100 Konkubinen erwähnt, die zu des Kaisers
„Belustigung“ in der Stadt verweilten).
Der Name stammt aus der chinesischen Astrologie, wo es
im Himmel einen „purpurnen“ Bereich gibt, an dem der Polarstern
steht-eine Metapher für die Stellung des Kaisers als unverrückbarer
Herrscher des Himmels auf Erden. Auf dem folgenden Gelände sind
diverse Überbleibsel von Tempeln, sowie die Paläste der Mutter und
Großmutter des Herrschers zu finden (Palast der Ewigkeit (Cung Dien
Tho) bzw. Palast des langen Lebens (Cung Truong Sinh).
Ein Großteil wurde jeweils der Ahnenverehrung gewidmet
(Infos wie zumeist aus Stefan Loose: „Die Mekong- Region“;
natürlich auch die Folgenden über Kaisergräber etc.).
Gut zu wissen ist, dass es hier für 180 000 Dong ein
„Gemeinschaftsticket“ für die Verbotene Stadt und zwei der
Kaisergräber gibt- was die ganzen Eintrittsgelder etwas schmälert.
Während des Besuches habe ich einen jungen Mann aus
Singapur kennengelernt und wir haben uns die Stadt in knapp 2 Stunden
zusammen angeschaut. Da seine Eltern chinesische Wurzeln haben,
konnte er mir Einiges erklären (speziell was die Ahnenverehrung
angeht) oder auch die verschiedenen, chinesischen Elemente des
Baustils.
Von ihm weiß ich nun auch, dass für abergläubige
Asiaten der Geruch von Frangipani bei Nacht etwas Gefährliches ist:
nämlich der Geist einer bei der Geburt gestorbenen Frau...Also, ich
würde da einfach wieder nur denken: hhhmmmm, riecht das gut! Wo der
Baum wohl steht?? :-)
Danach war dann schon wieder Abschied nehmen angesagt
und ich fuhr mit meinem Fahrer Tin weiter zur Thien Mu-Pagode. Diese
erreicht man, wenn man 4 km Richtung Westen entlang des Flussufers
auf der Kim Long- Straße fährt.
Sie gilt als eines der Wahrzeichen von Hue. Gegründet
wurde sie bereits 1601 von Fürst Nguyen Hoang, dem mehrfach eine
alte Frau in seinen Träumen erschienen ist und ihm erklärt habe,
dass die Stelle magische Kräfte habe und diese sollen durch die
Pagode markiert werden. Daher ist auch das dazugehörige Kloster das
Älteste in Hue.
Der große, siebenstöckige Turm (Turm der Freude und
Anmut (Thap Phuoc Duyen) wurde allerdings erst später hinzugefügt
(1844). Zwei Pavillions flankieren den Mittelweg, wobei einer eine
große Schildkröte beherbergt, die die Geschichte der Pagode als
Stele auf dem Rücken trägt und der andere Pavillion enthält eine
massive Glocke. Durch ein dreiteiliges Tor mit abstrusen
Wächterfiguren, kommt man zur Haupthalle, wo sich diverse
Buddhafiguren befinden. Die Mönchsunterkünfte befinden sich an den
Seiten.
Außerdem soll sich hier immer noch ein alter Austin in
der Garage befinden. Es ist das Fahrzeug, mit dem sich der 73-jährige
Mönch Thich Quang Duc am 11.06.1963 zu seiner Selbstverbrennung in
Sai Gon fahren ließ. Der wollte damit gegen die Unterdrückung des
Buddhismus durch den katholischen Präsidenten Diem protestieren.
Zuvor hatte der Mönch in diesem Kloster gelebt.
Nächste Anlaufstelle war das Grab von Tu Duc. Ich war
zugegebenermaßen überrascht über die Größe der Anlage, warum das
Grab daher auch Lang Khiem- Grab der Bescheidenheit genannt wird,
erschließt sich mir daher nicht so ganz. Der Kaiser hat sich zu
Lebzeiten bereits von den Regierungsgeschäften zurück- und es
vorgezogen, sich hierher zurückzuziehen und Gedichte zu verfassen.
Gleich ins Auge sticht der See des bescheidenen
Bewahrens, der dem Ganzen eine sehr friedliche Atmosphäre gibt.
Man kann ohne Probleme gut und gerne 2 Stunden auf dem
Gelände verbringen, ohne zweimal die gleiche Stelle passiert zu
haben. Alles ist großflächig und parkähnlich angelegt.
In den Gebäuden befinden sich heute Tempel zur
Ahnenverehrung. Das eigentlich Grabmal ist westlich des Sees und man
sieht einfach im Zentrum einen steinernen Sarkophag.
Allerdings befindet sich der Leichnam selbst, nicht in
diesem, sondern ruht versteckt in einem der 11 Stollen, die im
Gelände angelegt sind.
Von hier aus führte uns die Fahrt weiter zum Grab von Minh Mang. Auch diese Anlage ist sehr weitläufig. Daher könnte man
wohl schon sagen, dass die größten und schönsten Anlagen die
beider vorgenannter Kaiser sind.
Laut Reiseführer waren Feng-Shui-Spezialisten 14 Jahre
lang beschäftigt, den richtigen Platz für die Grabanlage des
Kaisers zu finden. Und letztendlich verstarb dieser dann
überraschend. Somit war es an dessen Nachfolger aus der
zugewucherten Wildnis einen schönen Park zu machen.
Auffällig hier ist, dass die Gebäude sich um eine
zentrale Ost-West-Achse gruppieren. Wenn man sie entlang geht und
sich somit dem Grab nähert, versinnbildlicht das den Übergang von
der irdischen in die himmlische Sphäre.
Nachdem man diverse Pavillions und Tempel
(Ahnenverehrung, Lebensgeschichte des Kaisers etc.) durchschritten
hat, kommt man, indem man den See des Neumondes überschritten hat zu
einem Hügel, der wohl der eigentliche Grabhügel von Minh Mang ist.
Leider hatte ich auch hier etwas wenig Zeit, da ich ja
pünktlich gegen 16 Uhr zurück sein sollte, um den 17 Uhr Bus nach
Ninh Binh noch zu erwischen.
Das letzte, ungewöhnlichste, prunkvollste und ziemlich
europäische Grab, ist die Anlage von Kaiser Khai Dinh. Hier hörte
ich in der Ferne schon ein verdächtiges Donnergrollen; aber über
der Anlage selbst, herrschte noch blauer Himmel.
Der europäische Touch liegt vermutlich
daran, dass der Kaiser 3 Jahre vor seinem Tod Frankreich besuchte und
von der dortigen Architektur wohl sehr beeindruckt war. Zwar ist auch
diese Grabanlage nach Feng Shui Prinzipien ausgelegt- aber sie wirkt
mehr wie eine Mischung aus vietnamesischem Palast und neobarockem
Anwesen. Der Bau dauerte 11 Jahre und ist noch in seinem
Originalzustand erhalten. Also- ich fand es ziemlich beeindruckend.
Im aufwendig mit Porzellan- und Glasscherben verzierten Mausoleum,
befindet sich ein Goldstatue des Kaisers in Lebensgröße, sowie
diverse schwarz-weiß Fotografien.
Allen gemeinsam sind übrigens
bestimmte Elemente: die Stele mit der Biografie des Kaisers,
Obelisken, der Ehrenhof mit Statuen von Mandarinen, Pferden und
Elefanten, der Tempel mit Schreinen für den Verstorbenen und seine
Gattin, sowie das eigentliche Grabmal. Unterschiedlich und doch
miteinander verbunden :-).
Ich war übrigens kaum drinnen, da hat es außen
angefangen zu schütten. Wirklich faszinierend. Ich habe Bilder mit
strahlend blauem Himmel und nur 5 Minuten später, gab es ein
Gewitter, das sich gewaschen hat. Und zwar so extrem, dass der Strom
ausfiel.
Warum- das bekam ich später zu Gesicht. Nachdem der
Regen etwas abgeflaut war, sind wir zurück in die Stadt gefahren und
uns zeigte sich ein Ausmaß der Zerstörung. Umgestürzte,
entwurzelte Bäume, gerissene Stromleitungen, überflutete
Straßen..Ich habe selten, wenn überhaupt vielleicht noch nie- so
viele Bäume in kurzer Distanz mit Blitzeinschlägen
gesehen...Wahnsinn, welche Kraft da dahinter steckt.
Das dicke Ende kam dann noch, als mich Tin am Hotel
absetzte. Ich hatte meine Sarong mitgenommen, da ich nicht wusste,
wie kleinlich sie hier beim Besuchen der Stätten bez. kurzer Hosen
sind und bei rund 40 °C Außentemperatur hatte ich irgendwie keine
Lust, lange Hosen zu tragen..Jedenfalls, als ich ihn bat, mir meinen
Sarong, der sich an seinem Roller befand, den er normalerweise
beaufsichtigen sollte, meinte er nur lapidor: „ I don´t know..no
have...!“
Tja, dies wird ein weiteres Rätsel vom
touristenfreundlichen Vietnam bleiben: ob er ihn genommen oder ein
Anderer ihn gestohlen hat?? Wer weiß! Fakt ist, er war weg und mir
fehlt mein Sarong :-(..Echt erstaunlich, wie man sich selbst an
Kleidungsstücke gewöhnen kann..
Na ja, wer weiß: vielleicht finde ich ja noch was
gaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanz Tolles, dass ich mir
uuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuunbedingt kaufen will und nun habe ich ein
bißchen Platz in meinem Rucksack :-/..Das nennt man wohl
Galgenhumor..Aber, besser nur meinen Sarong, wie etwas wirklich
Wichtiges.
Im Hotel habe ich mich dann nur noch unter die Dusche
geworfen und um 17 Uhr kam dann schon der Bus. Dieser war dann
wenigstens etwas Besser als der Letzte, aber dennoch war die Nacht
wenig ergiebig, als ich mich um 04:30 Uhr am nächsten Morgen auf der
Straße in Ninh Binh wiederfand..
| leicht angerostete Kriegszeugen |
| Zitadelle |
| in der Verbotenen Stadt: Drachen als Zeichen von Macht |
| hier wird Vieles zur Zeit restauriert- Gott sei Dank! |
| kaiserliches Theater |
| Ahnenverehrung |
| Tho Ninh Palast |
| Blick auf den Parfümfluss |
| Wächterfigur in der Thien Mu Pagode |
| winzige Fledermaus in der Tu Duc- Grabanlage (vielleicht im Gesamten 4 cm groß) |
| Grabmal für die Gattin |
| steinerner, leerer Sarkophag |
| einer der Elefantenfiguren |
| Herstellung von Räucherwerk |
| ...und Flechten von Hüten |
| Verschloessenes, rotes Tor in Grabmal des Minh Mang |
| Weg zum Grabhügel |
| prunkvoll gestaltete Tore |
| besagter blauer Himmel über dem Grabmal von Khai Dinh |
| Wächterfiguren |
| Drachen zum Schutz |
| Mandarin- Wächterfigur |
| Schrein zur Ahnenverehrung |
| mit Porzellan und Scherben verziertes Mausoleum |
| schwarz-weiß Bild des Kaisers |
| tja: und SO sah das Ganze 5 Minuten später aus :-)! |
| Bronzestatue des Kaisers |
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