Heute Morgen ist der Strom immer noch
nicht da, daher muss ich kurz nach 5 Uhr meinen Rucksack mit der
Taschenlampe packen. Nachdem der Rucksack gepackt und ich
einigermaßen fertig bin- ich will jetzt nicht schreiben: „fertig
aussehe“ :-), gehe ich mitsamt dem Gepäck um 06:15 Uhr ins
Haupthaus, denn, gestern wurde ja ausgemacht, dass wir (d.h. die
beiden deutschen Mädels, samt Begleitung (ein Paar: Stefanie und
Luca), bereits um diese Zeit ein Frühstück bekommen können, da
unser Bus ja um 7 Uhr schon fährt. Und da hier ja immer alles
eeeeetttwaaaassss zääääääähhhhher geht, kann man nicht davon
ausgehen, dass man innerhalb von 15 Minuten gefrühstückt hat..Weil:
Oh Wunder, man braucht heißes Wasser, und „Oh, ach ja,
Besteck..“...könnte diese Liste noch ewig weiterführen :-)- aber,
bin es inzwischen ja schon gewohnt.
Diese Situation hatte ich allerdings
auch noch nicht: es war nämlich weit und breit niemand zu sehen!
Kurz nach mir sind dann die Anderen aufgetaucht und waren dann auch
ziemlich ratlos..Ich bin dann mal in die Küche und konnte entdecken,
dass hinter der Küche in einem offenen Zimmer jemand schläft. Habe
die Gute dann mal geweckt und sage und schreibe 10 Minuten später,
war zumindest schon mal heißes Wasser aufgesetzt...
So hilfsbereit hier immer jeder ist-
und das sind sie wirklich!- Aber, sich hier auf etwas VERLASSEN- DAS
steht auf einem anderen Blatt..
Jedenfalls gab es dann noch mehr oder
weniger ein schnelles Frühstück und unseren Bus haben wir dann auch
noch erreicht. Leute: ich hätte so gerne eine versteckte Kamera
gehabt:
man stelle sich vor: ein Bus mit einer
Sitzplatzanzahl von vielleicht 32 Plätzen; letztendlich im Bus waren
dann vielleicht gut mehr als 50 Personen. Die Deckenhöhe des Busses
würde ich auf ca. 1,70 m schätzen (wieder ein Dankesstoßgebet für
meine Größe: ICH konnte nämlich gerade stehen ;-)), noch dazu war
er herrlichst mit Teppichboden ausgekleidet.
Der ganze Bus war voller Menschen aus
den hießigen Dörfern mit den buntesten Tüchern, den Hüten mit der
Pfauenfeder, die Frauen in schwarzen Rücken mit meistens hellen
Strümpfen und schwarzen Schuhen, meistens mit einem Kleinkind
zusätzlich in einem Tragetuch. Die Herren der Schöpfung
geschniegelt und gebügelt- auch jeweils mit vorgenanntem Hut. So
hingen also wir fünf Bleichgesichter in diesem Bus. Neben mir
gepresst stand Luca, den Kopf am Lautsprecher, welcher herrlichst
umrahmt war mit goldenen Bordüren. Der arme Tropf konnte a.) nicht
mal gerade stehen, b.) wurde ununterbrochen mit ecuadorianischer
Musik vom Allerfeinsten beschallt und hatte c.) schön zur Deko und
Krönung die Bordüren rund um den Kopf hängen- und das ganze 3
Stunden lang- denn jeder in diesem Bus wollte nach Latacunga.
Nicht nur die Busse auch die Straße
ist von dermaßen schlechter Qualität, so dass ich mich bei jedem
Schlagloch gefragt habe, ob denn mein Rucksack überhaupt noch auf
dem Dach ist, wo er vorher befestigt wurde. Aus diesem Grund wird
hier auch an der Straße gearbeitet. Was zur Folge hatte, dass wir
sage und schreibe 50 Minuten ohne einen Millimeter Bewegung an der
Baustelle warten mussten. Also an alle: derjenige, der sich jemals
über die Ampel in Konken beschwert hat: bitte einfach nur an 50
Minuten denken!!! Ich kann mich nämlich nicht erinnern, wann ich mal
50 Minuten in Konken an der Ampel gestanden hätte..
Es war wirklich das munterste Treiben
in diesem Bus. Ich war ja schon mal froh, dass all die Mütter mit
ihren winzigen Kindern (mir direkt gegenüber das Kind war gerade mal
4 Wochen alt) einen Sitzplatz hatte. Und dann wollte ein Kleines auch
noch zu seiner Mama. Es ist schon interessant: ich verstehe ja nicht
viel Spanisch, aber die paar Brocken Spanisch und die Gebärdensprache
haben ausgereicht, dass ich verstanden habe, dass ich das Kleine zu
seiner Mama hiefen soll. Also habe ich von links nach rechts über
zwei Sitzreihen die Kleine zu ihrer Mama gehoben. Diese Busfahrt- das
sind wirklich Erlebnisse, die hat man bei einer geführten Reise
nicht. Auch die ganzen kleinen Dörfern mit ihren sonnengegerbten
Menschen, die wie ich es aus Erzählungen meiner Großeltern kenne,
die Frucht einbringen (in großen Bündeln auf dem Rücken)- da
bekommt man wirklich noch mal eindringlich vor Augen geführt, welch
luxuriöses Leben wir in Deutschland führen. Für mich war das jetzt
ein Tag stehend im Bus auf dem Gefühlslevel einer Sardinenbüchse-
diese Menschen haben das quasi täglich und auch die harte Arbeit an
den steilen Hängen zuzüglich der Witterung. Und dann erklär denen
mal etwas über Hygienestandards usw..Andere Welt eben. Und es ist
wichtig, wenn man solche Ziele besucht, dass man sich das immer
wieder vor Augen führt und hier einfach die Dinge mit anderen Augen
betrachtet..
Jedenfalls sind wir dann auch
irgendwann nach entsprechend halsbrecherischer Fahrt über die
Serpentinenstraßen in Latacunga angekommen. Hier erfahre ich, dass
es keine Direktverbindung nach Riobamba gibt, sondern dass ich
nochmal in Ambato umsteigen muss. Das klappt aber ganz gut, da ich
dem Busfahrer gesagt habe, wo ich hin will und er mich dann am
Busbahnhof entsprechend an den richtigen Bus lotst.
Gegen 13:30 Uhr komme ich dann auch in
meinem Hostal an. Alleine wegen der Zimmer (aus Cangahua-Steinbrocken
und in herrlichsten Brombeer-, rot und Violetttönen) könnte ich
hier noch länger bleiben. Das ist alles so liebevoll gemacht und die
Besitzer sind super nett und immer bekomme ich auf meine Frage:
„Hablas un poquito inglés?“ die gleiche Antwort: „No!“. Echt
hartnäckig die Südamerikaner ;-).
Der Name ist übrigens „Oasis“.
Riobamba liegt übrigens genau in der geografischen Mitte Ecuadors,
unterhalb des Chimborazo-Massivs. Die folgenden Weisheiten habe ich
übrigens aus meinem Volker Feser Reiseführer. Die Stadt zählt ca.
160.000 Einwohner und liegt auf 2754 m und hätte ich heute klaren
Himmel gehabt, dann hätte ich sicher auch die herrliche
Berglandschaft rundherum gesehen. Riobamba war kurzfristig mal
Landeshauptstadt und ist heute das bedeutendste Agrarzentrum der
ecuadorianischen Anden. Neben einem schachbrettartigen Straßenmuster,
gibt es hier vor allem baumbestandene Plätze mit den dazugehörigen
Kirchen und die Häuserfassaden 19 Jahrhunder.
So, bevor ich Euch noch mehr zutexte:
Hier ein paar Bilder des Tages:
| Eingang zum Parque 21 de Abril |
| Mir unbekanntes Gebäude- aber hat mir gut gefallen |
| schön anzusehende Häuserfassaden |
| Parque Maldonado |
| eine der vielen Kirchen auf meiner Rundtour |
| Kitschig-schöner Innenhof meines Hostels |
| Darf ich vorstellen: Der Chef des Hauses (von dem ich mich natürlich fern halte ;-))! |
Es ist schon wieder spät. Buenos
noches
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