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Dienstag, 4. September 2012

Es gibt Situationen, da bräuchte man die versteckte Kamera- Quilotoa-Riobamba-04.09.2012

Heute Morgen ist der Strom immer noch nicht da, daher muss ich kurz nach 5 Uhr meinen Rucksack mit der Taschenlampe packen. Nachdem der Rucksack gepackt und ich einigermaßen fertig bin- ich will jetzt nicht schreiben: „fertig aussehe“ :-), gehe ich mitsamt dem Gepäck um 06:15 Uhr ins Haupthaus, denn, gestern wurde ja ausgemacht, dass wir (d.h. die beiden deutschen Mädels, samt Begleitung (ein Paar: Stefanie und Luca), bereits um diese Zeit ein Frühstück bekommen können, da unser Bus ja um 7 Uhr schon fährt. Und da hier ja immer alles eeeeetttwaaaassss zääääääähhhhher geht, kann man nicht davon ausgehen, dass man innerhalb von 15 Minuten gefrühstückt hat..Weil: Oh Wunder, man braucht heißes Wasser, und „Oh, ach ja, Besteck..“...könnte diese Liste noch ewig weiterführen :-)- aber, bin es inzwischen ja schon gewohnt.
Diese Situation hatte ich allerdings auch noch nicht: es war nämlich weit und breit niemand zu sehen! Kurz nach mir sind dann die Anderen aufgetaucht und waren dann auch ziemlich ratlos..Ich bin dann mal in die Küche und konnte entdecken, dass hinter der Küche in einem offenen Zimmer jemand schläft. Habe die Gute dann mal geweckt und sage und schreibe 10 Minuten später, war zumindest schon mal heißes Wasser aufgesetzt...
So hilfsbereit hier immer jeder ist- und das sind sie wirklich!- Aber, sich hier auf etwas VERLASSEN- DAS steht auf einem anderen Blatt..
Jedenfalls gab es dann noch mehr oder weniger ein schnelles Frühstück und unseren Bus haben wir dann auch noch erreicht. Leute: ich hätte so gerne eine versteckte Kamera gehabt:
man stelle sich vor: ein Bus mit einer Sitzplatzanzahl von vielleicht 32 Plätzen; letztendlich im Bus waren dann vielleicht gut mehr als 50 Personen. Die Deckenhöhe des Busses würde ich auf ca. 1,70 m schätzen (wieder ein Dankesstoßgebet für meine Größe: ICH konnte nämlich gerade stehen ;-)), noch dazu war er herrlichst mit Teppichboden ausgekleidet.
Der ganze Bus war voller Menschen aus den hießigen Dörfern mit den buntesten Tüchern, den Hüten mit der Pfauenfeder, die Frauen in schwarzen Rücken mit meistens hellen Strümpfen und schwarzen Schuhen, meistens mit einem Kleinkind zusätzlich in einem Tragetuch. Die Herren der Schöpfung geschniegelt und gebügelt- auch jeweils mit vorgenanntem Hut. So hingen also wir fünf Bleichgesichter in diesem Bus. Neben mir gepresst stand Luca, den Kopf am Lautsprecher, welcher herrlichst umrahmt war mit goldenen Bordüren. Der arme Tropf konnte a.) nicht mal gerade stehen, b.) wurde ununterbrochen mit ecuadorianischer Musik vom Allerfeinsten beschallt und hatte c.) schön zur Deko und Krönung die Bordüren rund um den Kopf hängen- und das ganze 3 Stunden lang- denn jeder in diesem Bus wollte nach Latacunga.
Nicht nur die Busse auch die Straße ist von dermaßen schlechter Qualität, so dass ich mich bei jedem Schlagloch gefragt habe, ob denn mein Rucksack überhaupt noch auf dem Dach ist, wo er vorher befestigt wurde. Aus diesem Grund wird hier auch an der Straße gearbeitet. Was zur Folge hatte, dass wir sage und schreibe 50 Minuten ohne einen Millimeter Bewegung an der Baustelle warten mussten. Also an alle: derjenige, der sich jemals über die Ampel in Konken beschwert hat: bitte einfach nur an 50 Minuten denken!!! Ich kann mich nämlich nicht erinnern, wann ich mal 50 Minuten in Konken an der Ampel gestanden hätte..
Es war wirklich das munterste Treiben in diesem Bus. Ich war ja schon mal froh, dass all die Mütter mit ihren winzigen Kindern (mir direkt gegenüber das Kind war gerade mal 4 Wochen alt) einen Sitzplatz hatte. Und dann wollte ein Kleines auch noch zu seiner Mama. Es ist schon interessant: ich verstehe ja nicht viel Spanisch, aber die paar Brocken Spanisch und die Gebärdensprache haben ausgereicht, dass ich verstanden habe, dass ich das Kleine zu seiner Mama hiefen soll. Also habe ich von links nach rechts über zwei Sitzreihen die Kleine zu ihrer Mama gehoben. Diese Busfahrt- das sind wirklich Erlebnisse, die hat man bei einer geführten Reise nicht. Auch die ganzen kleinen Dörfern mit ihren sonnengegerbten Menschen, die wie ich es aus Erzählungen meiner Großeltern kenne, die Frucht einbringen (in großen Bündeln auf dem Rücken)- da bekommt man wirklich noch mal eindringlich vor Augen geführt, welch luxuriöses Leben wir in Deutschland führen. Für mich war das jetzt ein Tag stehend im Bus auf dem Gefühlslevel einer Sardinenbüchse- diese Menschen haben das quasi täglich und auch die harte Arbeit an den steilen Hängen zuzüglich der Witterung. Und dann erklär denen mal etwas über Hygienestandards usw..Andere Welt eben. Und es ist wichtig, wenn man solche Ziele besucht, dass man sich das immer wieder vor Augen führt und hier einfach die Dinge mit anderen Augen betrachtet..
Jedenfalls sind wir dann auch irgendwann nach entsprechend halsbrecherischer Fahrt über die Serpentinenstraßen in Latacunga angekommen. Hier erfahre ich, dass es keine Direktverbindung nach Riobamba gibt, sondern dass ich nochmal in Ambato umsteigen muss. Das klappt aber ganz gut, da ich dem Busfahrer gesagt habe, wo ich hin will und er mich dann am Busbahnhof entsprechend an den richtigen Bus lotst.
Gegen 13:30 Uhr komme ich dann auch in meinem Hostal an. Alleine wegen der Zimmer (aus Cangahua-Steinbrocken und in herrlichsten Brombeer-, rot und Violetttönen) könnte ich hier noch länger bleiben. Das ist alles so liebevoll gemacht und die Besitzer sind super nett und immer bekomme ich auf meine Frage: „Hablas un poquito inglés?“ die gleiche Antwort: „No!“. Echt hartnäckig die Südamerikaner ;-).
Der Name ist übrigens „Oasis“. Riobamba liegt übrigens genau in der geografischen Mitte Ecuadors, unterhalb des Chimborazo-Massivs. Die folgenden Weisheiten habe ich übrigens aus meinem Volker Feser Reiseführer. Die Stadt zählt ca. 160.000 Einwohner und liegt auf 2754 m und hätte ich heute klaren Himmel gehabt, dann hätte ich sicher auch die herrliche Berglandschaft rundherum gesehen. Riobamba war kurzfristig mal Landeshauptstadt und ist heute das bedeutendste Agrarzentrum der ecuadorianischen Anden. Neben einem schachbrettartigen Straßenmuster, gibt es hier vor allem baumbestandene Plätze mit den dazugehörigen Kirchen und die Häuserfassaden 19 Jahrhunder.
So, bevor ich Euch noch mehr zutexte:
Hier ein paar Bilder des Tages:
Eingang zum Parque 21 de Abril

Mir unbekanntes Gebäude- aber hat mir gut gefallen

schön anzusehende Häuserfassaden

Parque Maldonado

eine der vielen Kirchen auf meiner Rundtour

Kitschig-schöner Innenhof meines Hostels

Darf ich vorstellen: Der Chef des Hauses (von dem ich mich natürlich fern halte ;-))!

Es ist schon wieder spät. Buenos noches

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